Leicht ist nicht immer seicht

Frankfurt - Als er starb, war Juan Crisóstomo de Arriaga gerade 19 Jahre alt. Mit der „Symphonie à Grand Orchestre“ dieses Schubert-Zeitgenossen eröffnete das Orquestra de Cadaqués sein Pro-Arte-Konzert in der Alten Oper. Von Axel Zibulski

Die spanische Sinfonie voller Sturm und Drang gab in Frankfurt die Richtung vor. Denn das 1988 als Festival-Orchester in Katalonien gegründete Ensemble konzentrierte sich unter der Leitung von Gianandrea Noseda auf Komponisten seines Heimatlandes, ergänzt um Werke von Maurice Ravel und Georges Bizet, Franzosen mit reichlich Sympathie fürs Iberische.

Mit Arriagas „großer“ Sinfonie D-Dur stand ein Höhepunkt am Anfang: Ob im gespreizten Bass-Thema des langsamen Satzes oder beim eilenden, an Mozart erinnernden Moll-Beginn des Finales: Originell klang die Sinfonie des 1826 gestorbenen Komponisten jeden Augenblick. Weniger originell nimmt sich im Konzertbetrieb hingegen die Vorliebe Xavier de Maistres aus, allerlei Kompositionen für sein Instrument zu adaptieren. So hat sich der Ex-Harfenist der Wiener Philharmoniker vergangenes Jahr beim Rheingau Musik Festival ein Klavierkonzert von Joseph Haydn vorgenommen.

Harfe statt Gitarre

In der Alten Oper war Joaquín Rodrigos bekanntes „Concierto de Aranjuez“ an der Reihe. Harfe statt Gitarre: Der teils folkloristisch-kantige Flair des Originals klang aufgeweicht, das melodisch ohnehin auf Eingängigkeit vertrauende Konzert näherte sich in der Harfenversion bedenklich einer süßlichen Kitschnummer. Auch in seinen Zugaben setzte de Maistre auf Bearbeitungen, spielte einen Ausschnitt aus Manuel de Fallas „La vida breve“ sowie eine Bearbeitung von Francisco Tarregas Gitarrenklassiker „Recuerdos de la Alhambra“.

Dass leicht nicht seicht bedeuten muss, bewies die zweite Programmhälfte: Die Orchesterbearbeitung der „Evocation“ aus dem Klavierzyklus „Iberia“ von Isaac Albéniz entfaltete sich als feine, gut abgestufte Studie des Sehnsuchtsvoll-Leisen, und in Maurice Ravels „Pavane pour une infante défunte“ kam die geschliffene Eleganz des Kammerorchesters ebenso gut zur Geltung. Georges Bizets leichtgewichtige, von Noseda aber ernst, präzise und schwungvoll genommene Sinfonie Nr. 1 C-Dur rundete das Gastspiel ab; die Zugabe war das Intermezzo aus den „Goyescas“ von Enrique Granados.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gabi Schoenemann

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