Leichtigkeit und Tiefgang verbunden

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Rainhard Fendrichs Texte haben es in sich.

Ganz am Ende, da jodelt er sogar. Es ist die dritte Zugabe. Rainhard Fendrich hat im Lauf der vergangenen zweieinhalb Stunden oft sein Gesicht in ein weißes Handtuch gedrückt. Seine Haare sind nass. Von Anke Steinfadt

Das Wasserglas steht unberührt auf dem Beistelltisch. Erschöpft, aber glücklich ruft er: „Kommen Sie gut nach Hause!“ Das Publikum ist selig.

Der Jodler gehört zum „Heimatlied“, Fendrichs erster und einziger Versuch eines traditionellen Volkslieds, entstanden 1985 als Jux auf die ernst gemeinte Anregung seiner Plattenfirma. Zur lieblichen Ziehharmonika-Melodie erzählt der Liedermacher eine gar nicht liebliche Geschichte vom Ausverkauf der Berge im Interesse der Tourismusindustrie. So ist es immer bei ihm: Die Texte haben es in sich. Genaues Hinhören offenbart Abgründiges. Auch bei seinen schmissig daherkommenden Hits wie „Macho Macho“, „Schickeria“ oder „Es lebe der Sport“ ist das so.

Letzteren Titel spielt Fendrich an diesem Abend. Und auch auf Repertoire-Klassiker wie „I Am From Austria“ oder „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ müssen die Fans nicht vergebens warten. Doch im Mittelpunkt steht das neue Album „Meine Zeit“. Es versammelt 15 Stücke, die er beinahe allesamt vorstellt im voll besetzten Offenbacher Capitol.

Leichtigkeit und Tiefgang widersprechen sich nicht bei diesem gewieften Unterhalter. Die Anekdoten, die er als Überleitung zu seinen Liedern benutzt, sind philosophische, aber auch kritische Betrachtungen seines eigenen Lebens („Ich hab es nie bereut“), der Gesellschaft („Neider“), der Liebe („Pures Gold“) und der Politik. „Tango Korrupti“ von 1988 findet sogar einen aktuellen Bezug in einer ätzenden Kritik am Verhalten der USA im Umgang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

Rainhard Fendrich spielt die ganze Zeit Gitarre. Dieter Kolbeck begleitet ihn mit großem Einfühlungsvermögen am Klavier. Mehr instrumentale Unterstützung braucht es nicht, um die Mischung aus Pop, Schlager, Jazz, Blues, Chanson und Rock eindrucksvoll darzubieten. Denn da ist ja Fendrichs facettenreiche Stimme, die Atmosphäre erzeugt.

Der Wiener hält sich mit dem Schmäh mehr als nötig zurück. Überwiegend singt er hochdeutsch. Manchmal sitzt man da mit einem Kloß im Hals, so unverblümt gibt der 55-Jährige seine persönliche Erinnerungen und Gefühle preis. Dann wieder bricht man in herzliches Lachen aus, beispielsweise wenn „Luise“ besungen wird, eine luxusverwöhnte Dame, die ihren Mann (sehr zu dessen Erleichterung) in der Wirtschaftskrise sitzen lässt. In Erinnerung seines verstorbenen Musikerfreundes interpretiert er einige Titel von Georg Danzer.

„Noch schöner als der Applaus ist die ungeteilte Aufmerksamkeit bei den Stücken“, sagt der Liedermacher. Man glaubt es ihm aufs Wort. Beides wird ihm an diesem Abend im Offenbacher Capitol in hohem Maß zuteil.

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