Nur der letzte Feinschliff fehlt

Der erste Auftritt von Pierre-Laurent Aimard mit Klavierwerken von Mozart und Boulez hatte noch vor lichten Reihen stattgefunden. Wenige Tage später konnte sich der französische Pianist über einen ausverkauften Mozartsaal freuen. Von Axel Zibulski

Schließlich hatte der Künstler, dem die Alte Oper ihr Interpretenporträt beim „Auftakt“-Festival widmet, mit Christine Schäfer eine prominente Mitstreiterin auf dem Podium. Die in Frankfurt geborene Sopranistin war durchaus ein kleines Wagnis eingegangen – schließlich ist Aimard hauptsächlich als Solist und nicht als Liedbegleiter ausgewiesen. Trotzdem wirkte sein Spiel über weite Strecken ausgeglichener und konzentrierter. Und Christine Schäfer hatte ganz uneitel die letzten Takte des offiziellen Programms in Gestalt des Klaviernachspiels von Hugo Wolfs „Neuer Liebe“ dem Pianisten überlassen. Wie treffend, denn agogisch und dynamisch eng verzahnt wirkten Gesangs- und Klavierstimme.

Liebster Herr Jesu

Im ersten Teil stand Gustav Mahler im Vordergrund, beziehungsreich ergänzt unter anderem um zwei Strophen aus Johann Sebastian Bachs Schemelli-Gesangbuch. Gerade die Interpretation aus diesem vermeintlich schlichten Vokalwerk (daraus: „Liebster Herr Jesu“ BWV 844) verriet bei Christine Schäfer einen derzeit eher unsteten, manchmal flackernden und zuweilen wie übersteuert wirkenden Beiklang der Stimme. Auch Mahlers Lieder waren von solchen Unsauberkeiten geprägt.

Christine Schäfers an diesem Abend spürbare Neigung zu einem unscharf artikulierten, dabei in der Tonbildung häufig zu weit offenem und manchmal rauem Gesang passte noch am besten zu Anton Weberns expressiven Miniaturen auf Texte von Stefan George (op. 3) und Hildegard Jone (op. 25). In ihrer Essenz waren sie atmosphärische Wegbereiter zu den Mörike-Liedern von Hugo Wolf, denen Schäfer ebenfalls den letzten Feinschliff schuldig blieb.

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