Der Berg rief - beim Offenbacher Lichterfest

Von Geier-Wally bis Zarathustra

Offenbach - Das monumentale Thema „Der Berg ruft … Das Meer ruft zurück!“ ließ einen großen Spielraum für das Konzertprogramm beim Offenbacher Lichterfest zu. Hier trafen so unterschiedliche Personen wie Zarathustra und die Geier-Wally, Carmen und Wilhelm Tell aufeinander. Von Eva Schumann 

Und natürlich Heidi. Ihre Musik von Christian Bruhn und Frl. Menkes „Hohe Berge“ eröffneten das Konzert. Die Eröffnung signalisierte schon, dass Cross-over die Klassik endgültig überrundet hatte, auch wenn Ralph Ziegler im authentischen Bergler-Gewand und wie immer voll Witz die Fahne anspruchsvoller Moderation hoch hielt. Aber Richard Strauss war nicht zu übergehen. Von Sonnenaufgang, Freiheit und Bergsteiger-Ehrfurcht kündet sowohl die viel missbrauchte Fanfare aus der sinfonischen Dichtung „Also sprach Zarathustra“, als auch die Alpensinfonie. Unter der Leitung von Jens Troester spielte die Neue Philharmonie Frankfurt Auszüge aus den beiden bombastischen Tongemälden. Schade, dass die Anstrengungen des mächtig geforderten Blechs und auch des Holzbläsersegments in der Alpensinfonie durch die Übertragung konterkariert wurden. Den gewaltigen dynamischen Unterschieden wurde sie nicht gerecht. Außerdem klang das Ganze schräger als von Strauss komponiert. Kein Wunder, dass die Zuschauer am Rande die musikalische Darbietung nicht nur mit unaufhörlichem Geplauder, sondern auch mit belustigten Zwischenrufen und Klatschen kommentierten. Die Einführung des Eintrittsgeldes kann solche Störungen des Konzertgenusses offenbar doch nicht verhindern.

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Die Solojodlerin Isabelle Vock, eigens aus der Schweiz angereist, gab wohlklingend zwei authentische Lieder zum Besten, begleitet vom Akkordeonisten Urs Müller. Nach diesem „Alpin pur“ ließ sich originales Erleben der Bergwelt noch steigern durch das Alphorn, dem Harald Pister zu allgemeiner Überraschung die Jägerchor-Klänge aus dem Freischütz entlockte. Von der Geier-Wally ganz zu schweigen: Die kletterfreudige und tierliebende Emanze erhielt gleich mehrere Auftritte, zuerst hochdramatisch und mit viel Harfengeklimper in der Filmmusik von Nico Dostal. Vor der Pause sang Olga Zaitseva dann die berühmte Arie aus Catalanis Oper „La Wally“. Den rockigen Widerpart boten Achim Dürr und die Musical Family Hanau.

Bilder vom Lichterfest 2014

Lichterfest 2014 im Büsingpark

Der zweite Teil führte zunächst weg von der Bergwelt, wenn auch nicht direkt ans rufende Meer. Alfred Reed alias Friedman widmete sein Blasorchesterstück „El Camino Real“ der berühmten Straße in Florida. Nach Spanien wies „Granada Intro“, gefolgt von „Shaft“. Hier schaltete sich wieder Dürr ein. Er animierte sogar den Alphornspieler zu Rock-Klängen.

Die größte Überraschung des Abends aber war das Debüt Zieglers als Soulman. Gelehriger Partner von Dürr, gab er mit diesem einen umwerfenden Duoauftritt. Viel Heiterkeit als Weather Girls erzeugten Olga Zaitseva und Karin Glenz. „It´s raining, Men“ stimmte zum Glück nicht. Es herrschte von Anfang bis Ende bestes Lichterfest-Wetter.

Rubriklistenbild: © Georg

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