Egerländer Musikanten in Offenbach

Liebe zur Musik ausgekostet

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Die Egerländer begeistern Generationen.

Offenbach - Wo Blasmusik gelebt wird, sind die Egerländer Musikanten nicht weit. Viele Jahre unter Leitung ihres Gründer Ernst Mosch auf den Konzertbühnen im In- und Ausland zu Hause, erfreuen sie nach dessen Tod auch weiterhin ihr Publikum. Von Harald H. Richter

Zwölf Jahre gibt Ernst Hutter nun schon den Takt vor und verbreitet mit seinem 20-köpfigen Blasorchester und dem Sängerduo Katharina Praher und Nick Loris musikalische Lebensfreude. So auch in der Offenbacher Stadthalle. Moderator Edi Graf („Ich bin heute ihr Blasmusik-Dazwischenbabbeler“) erweist sich dabei als charmanter Programmerklärer.

Polka, Walzer, Marschmusik ist eine Mischung, die es in sich hat und noch nicht einmal das ganze Spektrum dessen umfasst, was während des 140-minütigen Programms voller Heimatliebe die Herzen erwärmt und das Publikum spätestens bei der von Ernst Mosch komponierten „Strohwitwer-Polka“ zum Mitklatschen ermuntert. „Ohne Liebe geht es nicht“ heißt es in einem Dreier-Liederblock, womit die Egerländer das Motto ihrer Tournee („Liebe zur Musik“) bis in die letzte Sitzreihe durchstellen und ihr Blasmusik-Image von heiler Welt, Herz und Schmerz unbeirrt aufrechterhalten. „Liebe fürs ganze Leben“ muss etwas besonders Schönes sein, da lassen Hutter und seine Musikanten gar kein Missverständnis aufkommen. Sie besingen gefühlvoll den „Mondschein an der Eger“, das „Prager Leben“ und „Drei weiße Birken“.

Ihre Mischung aus instrumentalen Stücken und Gesangsnummern ist bei dieser Konzerttournee durch fast 40 Städte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden ebenso ausgewogen wie die Auswahl Evergreens und neuerer Kompositionen, etwa die „Aha-Polka“ aus der Feder von Sänger Nick Loris. Doch auch ganz andere musikalische Klangfarben veredeln den Abend: es wird geswingt, ein bisschen gejazzt und dank eines grandios agierenden Holger Müller am Schlagzeug wuchtig aufgetrumpft. Aus einem Polka-Rhythmus heraus zelebriert er ein dramaturgisch ausgeklügeltes und technisch bravouröses Solo, das Zwischenapplaus herausfordert.

Während der Egerländer Solistenparade, bei der jedes Register von den Flügelhörnern über die Tuben bis zu den Klarinetten zeigt, was es drauf hat, tritt auch Hutter-Sohn Martin einmal ganz nach vorn ins Rampenlicht. Mit „What A Wonderful World“ lässt er seine Trompete von der Schönheit der Welt und den Glücksmomenten im alltäglichen Leben erzählen, ganz so wie es Louis Armstrong vor 45 Jahren getan und jenes Lied über Sonne, Farben, Freundschaft und Kinderaugen in einer ach so grauen Welt unvergänglich gemacht hat. Auch dieser Sound kommt beim Publikum an. Ernst Hutter lässt an anderer Programmstelle den „Tenorhorn-Rag“ erklingen und erweist mit „Gedanken an dich“ seinem legendären Ziehvater Ernst Mosch alle Ehrerbietung.

Manchen Unkenrufen zum Trotz üben die immergrünen Polkas, schmissigen Märsche und beschwingten Walzermelodien eine generationsübergreifende Faszination aus, was auch beim Blick ins Halbrund des Zuschauerraums deutlich wird. Da sitzen beispielsweise drei Generationen der Familie Maurer aus Obertshausen in gemeinsamer Passion für die Musik nebeneinander: der aus Siebenbürgen stammende Großvater Johann (82), dazu Sohn Johann und der 16jährige Enkel Axel. Alle drei haben die Musik im Blut und das Mitklatsch-Gen obendrein. Und so bejubeln auch sie einen unvergesslichen Abend, der nicht ohne mehrere Zugaben zu Ende geht und die volksmusikalische Versicherung Ernst Hutters und seiner Egerländer ans schunkelnde Offenbacher Publikum beinhaltet: „Bis bald, auf Wiedersehen!“

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