Liebevoll gepflegter Bombast

+
Die hübsche, dunkelhaarige Musikerin Sharon den Adel hat ihre Fans jederzeit im Griff.

Neu-Isenburg - Draußen kaltes Schmuddelwetter, drinnen schweißtreibendes Abrocken: Dass Within Temptation gerade der Ice Queen huldigen, darf nicht täuschen. Von Markus Schaible

Im Publikum heißt es zusammenrücken (die Neu-Isenburger Hugenottenhalle ist ausverkauft) und mithüpfen, wenn Sängerin Sharon den Adel und ihre Mitstreiter im Takt der krachenden Melodien auf und ab springen.

Die hübsche, dunkelhaarige Musikerin hat ihre Fans jederzeit im Griff, sei es, dass sie nun mitsingen, mitklatschen oder einfach nur mit erhobenen Armen den Hintergrund für ein Bandfoto bieten sollen. Die niederländische Gruppe bedankt sich dafür mit einem 90-minütigen energiegeladenen Auftritt, der die Zuschauer in einen kollektiven Glücksrausch versetzt.

Dabei ist das Publikum so heterogen wie selten bei Metal-Konzerten. Da treffen Liebhaber ultrabrachialer Gruppen auf gediegene Hardrock-Fans im Scorpions-T-Shirt, Punks auf Anhängerinnen der Gothic-Szene in Korsage (womit sie es Sängerin Sharon den Adel gleichtun), Rüschenrock und Spitzenhandschuhen, Männer im Komplett-Leder-Outfit auf Frauen im pinken Wollpulli, Teenies auf Leute in den 50ern oder gar 60ern. Und sie alle feiern jeden der knallharten, aber trotzdem extrem melodischen Songs, die glasklar wie Sharons Stimme aus den Boxen tönen.

Dass die Gruppe, die zu den erfolgreichsten niederländischen Rockbands zählt, die Hälfte der Show mit Stücken vom neuen Album „The Unforgiving“ bestreitet, zeugt von gesundem Selbstbewusstsein. Kein Ausruhen auf errungenen Lorbeeren, sondern Blick nach vorn. Die Stimmung im Saal beweist, dass dieser Weg der richtige ist.

Within Temptation gehören zu den Vorreitern des Symphonic Metal und leben den Bombast auch auf der Bühne aus. Der Scheinwerfer-Einsatz ist enorm, der Einsatz an gewaltigen Sounds (Chöre, Orchester) aus dem Keyboard ebenfalls. Ob es nun ständig Filme (in denen es auffallend oft brennt) auf der Leinwand hinter der Bühne sein müssen, sei dahingestellt, die Musik ist gut genug, um derlei Visualisierung nicht zu benötigen. Doch die Band beweist, dass auch in kleineren Hallen eine große Show möglich ist. Und so freuen sich alle über Sharon den Adels Ankündigung, bald zurückzukommen auf Deutschlands Bühnen.

Kommentare