Liebste Gaben

Robert Schumann selbst sprach von seinem „größten Werk“, das er „nicht für den Betsaal, sondern für heit’re Menschen“ komponiert habe. Dabei bedient sich „Das Paradies und die Peri“ des seinerzeit modischen, orientalistischen Kolorits.  Von Axel Zibulski

Die Peri reist quer durchs Morgenland, um durch eine gute Tat Zugang zum Paradies zu finden.
Beim Rheingau Musik Festival erklang diese „Dichtung für Solostimmen und Chor“ aus Anlass von Schumanns 200. Geburtstag. Rein konzertant, wie von Schumann gedacht, entfaltet das Werk eher lyrischen als dramatischen Charme, bis die Peri dem Himmel dessen „liebste Gabe“ bringt, wie es im Text des romantischen Dichters Thomas Moore heißt. Die Präsentation eines Tyrannenmörders, auch der Kuss eines Pestkranken genügen dazu noch nicht, erst ein zur Reue geführter Verbrecher bietet Erlösung.

Der Weg dahin ist gespickt mit reizvollen liedhaften Momenten und eher feinsinnigen Chorsätzen, die in Kloster Eberbach der Kölner Kammerchor angenehm natürlich, so wortgenau wie musikalisch gestisch gestaltete und dabei variabel seine Rollen ausfüllte – bald in schlichter Verstärkung des tenoralen Solo-Erzählers, bald selbst wie ein Engels chor ins Geschehen einbezogen.

Frei strömende Geschmeidigkeit

Dennoch wäre es verkehrt, das Werk als Oper im Oratoriengewand zu verstehen. Vielmehr orientiert sich Schumann an der Poesie seiner Lieder. Dies besonders deutlich herauszuarbeiten, war ebenso Verdienst des Dirigenten Peter Neumann wie der insgesamt sechs Vokalsolisten. Neumann konnte sich auf das historisch vorzüglich informierte Kölner Collegium Cartusianum stützen, gerade auf dessen weich und exakt intonierende Solobläser.

Auch Sopranistin Johanna Winkel fügte sich als Peri perfekt in das Ideal einer lyrischen, sensiblen Musizierhaltung ein, selbst in äußerster Höhe ohne dramatische Schärfen, nie outriert und noch in ihren Arien so empfindsam wie kultiviert singend. Werner Güra war ein exakt deklamierender tenoraler Erzähler. Unter den weiteren Solisten zeichnete sich Bass Wolf Matthias Friedrich mit zunehmend frei strömender Geschmeidigkeit aus. Ein künstlerisch höchst gewichtiger und verdienstvoller Beitrag des Rheingau Musik Festivals zum Schumann-Jahr.

Rubriklistenbild: © Martina Taylor, Pixelio

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