Wanderer im Geist der Romantik

Seligenstadt - Der Wanderer ist die personifizierte romantische Sehnsucht. Rastlos unterwegs, auf der Suche nach Liebe, erreicht er nie sein Ziel. Von Klaus Ackermann

Auf Wanderschaft gingen Katharina Klotz (Sopran), Klarinettistin Maya Pinzolas und Pianist André Schoenfeld beim Liederabend im Seligenstädter Jakobsaal. Raritäten der Früh- und Spätromantik galt das Augenmerk des in Rhein-Main verwurzelten Trios, dem „Ach hier, wie liegt die Welt so licht!“ Eduard Mörikes verpflichtet.

Da wirkt Alessandro Scarlattis Canzone „Le Violette“, unglückliche Liebe eines jungen Mannes zu einer unerreichbaren Dame, wie eine Einführung zum Thema Herz und Schmerz. Ebenso die Canzonetta „Sebben, crudele“ und das Minuetto „Alma del core“ des Bach-Zeitgenossen Antonio Caldara: Melodiöse Minnelieder aus der Zopfzeit, von der hell timbrierten Sopranistin nicht ohne Koloraturschärfen deklamiert, die sich auf den Opern-erfahrenen, den barocken Formenkodex nutzenden Pianisten verlassen kann.

Ohne Worte bezeugen Robert Schumanns „Drei Romanzen für Klarinette und Klavier“ Liebeslust und -leid

Die Klarinette hatte es dem frühromantischen Kasseler Hofkapellmeister Louis Spohr angetan. Das offenbaren „Sechs Deutsche Lieder“ für Gesang, Klavier und eben jenes Holzblasinstrument, das stimmungsvoll in emotionale Befindlichkeiten einweist, wie es mit Girlanden den Gesang umgarnt. Hochdramatisch in „Sei still mein Herz“, mit in die Zukunft weisender Harmonik, einfühlsam im „Wiegenlied“ und mit Ländler-Charme in „Wach auf“, das auch als Zugabe dient.

Ohne Worte bezeugen Robert Schumanns „Drei Romanzen für Klarinette und Klavier“ Liebeslust und -leid, von Pinzolas bei differenzierter Tongebung so bewegend wie beweglich vorgetragen. Ein halbes Klarinettenkonzert hat der Romantiker in diese drei Sätze eingebracht.

Nach Schuberts Romanze der betrübten Helene, von Klotz in Moll getaucht, drei Lieder von Hugo Wolf auf Gedichte Mörikes. „Frühling“ ist ein fein koloriertes Stimmungsbild zwischen Liebeshoffen und -bangen. „Auf einer Wanderung“ hat die Muse das Herz des Dichters/Komponisten tief berührt. Und in „Der Gärtner“ schenkt ein Liebender der „schönsten Prinzessin“ 1000 Blüten.

Seelische Befindlichkeiten, denen Schoenfeld an den Tasten sensibel nachsinnt, während die in Seligenstadt als Stimmbildnerin wirkende Klotz bei geschärfter Spitze und gestalterischem Druck ein Wechselbad der Gefühle initiiert. Zu selten setzt sie auf den leisen, expressiven Ton. Hilfreich wäre zudem ein Abdruck der Texte im Programm.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Gabi Schoenemann

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