Party in ausverkaufter Festhalle Frankfurt

Nimmermüder Antreiber Lionel Richie

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All Night Long vielleicht nicht mehr, aber für zwei Stunden ist Lionel Richie noch immer ein Party-Garant.

Frankfurt - Der maximale Wohlfühl-Faktor, oder: Warum ein Konzert mit Weltstar Lionel Richie wohl doch mehr Glücksgefühle beschert als jeder Rosenmontags-Trubel. Von Peter H. Müller 

In der ausverkauften Festhalle schmachtet der Altmeister natürlich auch ein watteweiches „Hello“ in die Runde, zuvorderst aber macht er seinen Tour-Titel „All The Hits - All Night Long“ zum Programm. Rund 9000 textsichere Fans feiern die Party begeistert mit. Erzählt man seinen Bekannten, die sich selbstverständlich als Musikkenner begreifen, dass man auf dem Sprung zu einem Lionel-Richie-Konzert sei, erntet man heute öfters mal ein mitleidiges Lächeln. Nur noch „peinlich“ seien doch diese „ollen Schmachtfetzen“ und „balladiertes Biedermeier“ - mal ganz davon abgesehen, dass er sich auch dieses unsägliche „Angel“-Duett mit Andrea Berg geleistet habe. Ein gern genommenes Klischee über den Mann aus Tuskegee/Alabama. Vor allem aber eine grandiose Fehleinschätzung. Wer ihn nämlich live erlebt, kommt aus dem Jubilieren kaum noch heraus. Seine Auftritte feiern nie die Pose, sondern immer eine Messe.

Lionel Richie ist mittlerweile 65 und trägt eine künstliche Hüfte mit sich herum. Er hat kein neues Album zu bewerben, keine musikalischen Experimente im Gepäck und könnte eigentlich auch in Ruhe die Rente genießen. Aber er ist eben immer noch ein begnadeter Entertainer, ein Bühnen-Maniac in Hochform, der in zwei viel zu kurzen Stunden drei Jacketts durchschwitzt. Und er hat unzählige Songs für die Ewigkeit geschrieben - mit seinen Commodores, lange ist´s her, schon in den Tagen der ersten Mondlandung. Man nannte es wahlweise Soul oder Funk damals, und Richie war mit seinen Mannen eine heiße Nummer im Stall der legendären Motown-Familie - bevor er 1982 die Solo-Karriere startete. Dass er nun in Frankfurt mit einem Best-Of dieser Hits aufschlägt, macht die Sache nicht schlechter. Im Gegenteil. Songs wie „Easy“ oder „Three Times a Lady“ haben kein Verfallsdatum, sie gehören zu jedermanns Lebens-/Liebesgeschichte. Und selbst die mit Mama, Schwiegermama oder Papa in die Festhalle gepilgerten Teenager lassen sich von solchenKlassikern einfangen.

Womöglich klingen ja Textzeilen, wie jene aus „Say You, Say me“, die aufrufen, an sich selbst zu glauben, weil jeder ein strahlender Stern sein könne, in Krisenzeiten für alle Generationen eher tröstlich denn lächerlich. Wobei, zu lachen gibt es an diesem Abend, den Richie mit schöner Selbstironie fast ins Musik-Kabarett albert, reichlich. Hier ein Gag in Sachen Alter oder eine ulkige Anekdote aus dem Hause Richie - dort großes Gefühlskino und schließlich alle Zutaten, die ein zünftiges Disco-Revival braucht. Nach „Running with the Night“, spätestens aber mit dem Dancefloor-Brenner „Brick House“ ist das Tanzparkett denn auch freigegeben, die Sitzordnung nur noch Makulatur.

Queen in der Festhalle

Queen in der Festhalle

Richies Band, wie üblich mit Jungs besetzt, die seine Enkel sein könnten, tut ein Übriges zum Show-Feuerwerk: Ben Mauro (E-Gitarre), Dino Soldo (Sax) oder Ethan Farmer (Bass) steuern da in Songs wie „Don´t stop the Music“ oder zur XL-Version von „Dancing on the Ceiling“ fulminante Soli bei, der gern gescholtene Festhallen-Sound ist so perfekt wie selten - und Mr. Richie himself gibt mit meist strahlendem Grinsen und kernigen Gesten den nimmermüden Antreiber. Okay, er hat es auch diesmal nicht geschafft, für „Endless Love“ seine Duett-Partnerin Diana Ross einzufliegen - ihren Part übernimmt dann eben die textsichere Damen-Fraktion im Publikum.

Es ist so etwas wie die Karaoke-Generalprobe für das herrlich emotionale Finale: Nach einer Maxi-Version von „All Night Long“ und minutenlangem Applaus kommt Lionel Richie nochmal im blütenweißen Jackett auf die Rampe, um an Michael Jackson und eine vor dreißig Jahren geschriebene Wohltätigkeitshymne zu erinnern: „We are the World“, mit Originalbildern all der Stars, die damals gemeinsam für eine bessere Welt angetreten waren. Herrje, was war das schön. Aber, ganz so übel ist das Heute mit Herrn Richie ja auch nicht.

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