Loblied kennt viele Strophen

Das Loblied auf die große Dame des Operngesangs hatte viele Strophen. Vor allem ihr natürliches, fröhliches, herzliches Wesen wurde gerühmt.

Doch auch handfeste Beweise der Wertschätzung gab es beim Festkonzert zu Ehren des Neu-Isenburger Weltstars Anny Schlemm in der Hugenottenhalle. So soll alle fünf Jahre der Anny-Schlemm-Preis für den Opern-Nachwuchs ausgelobt werden, wie Bürgermeister Oliver Quilling verkündete. Zudem wird im Stadtmuseum ein Raum für eine ständige Ausstellung reserviert, in Wort und Ton die über 50-jährige Bühnentätigkeit dokumentierend.

Mittelpunkt dieser Schau ist ein 25-minütiger Film, der beim Ehren-Konzert erstmals zu sehen war, das zudem ein nachgereichtes Ständchen zum 80. Geburtstag der beliebten Sängerin war. „Meine Lippen, die küssen so heiß“: Singend und köstlich aus dem Nähkästchen plaudernd, lässt die Sopranistin und spätere Altistin hier viele Stationen ihrer Weltkarriere Revue passieren, die in Berlin beim gnadenlosen Regie-General Walter Felsenstein begann – allein als Boulotte in Jacques Offenbachs „Ritter Blaubart“ wirbelte sie in 275 Aufführungen über die Bühne – und an der Oper Frankfurt als Klytämnestra in Richard Strauss’ „Elektra“ einen triumphalen Höhepunkt erreichte.

Dabei hat sie in ihrem langen Bühnenleben – unvergessen ihr letzter Frankfurter Auftritt 2002 als Mama Lucia in „Cavalleria rusticana“ – Kinder, Geliebte, Mütter, Schwiegermütter und Großmütter verkörpert und blieb dabei immer authentisch. Ihre Verdienste hatte der Mitinitiator des Konzerts, Berthold Depper, Vorsitzender der „Anny-Schlemm–Franz-Völker-Gesellschaft“ in einer pointensicheren Laudatio herausgestellt. Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt, stellte das vom ihm gegründete Frankfurter Opernstudio vor. Aus dieser Sängerschmiede wird die Trägerin des Anny-Schlemm-Preises ermittelt, 2011 erstmals vergeben und mit 6 000 Euro dotiert. Es sei eine Ehre für die Oper Frankfurt, derart mit dem Namen Anny Schlemm verknüpft zu sein.

Für ein angemessen anspruchsvolles Festkonzert sorgte das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim mit Werken von Mozart und Britten. In dessen Charaktervariationen über ein Thema seines Lehrers Frank Bridge lockte der junge, engagiert dirigierende Sebastian Tewinkel nicht nur den eigentümlich changierendem Klang stilisierter Tanzformen, sondern ließ auch das eigenwillige Wesen des Kompositionslehrers Bridge erahnen.

Ihre schönen, ausdrucksvollen Stimmgaben diente die international renommierte Sopranistin Franziska Hirzel dann den Sätzen Fanfare, Ville, Parade und Départ aus Brittens klanglich farbigen „Illuminationes“ an. Ihre stimmliche Intensität und die natürliche Art im Umgang mit Koloraturen-Zierrat machten aus der nachdenklichen Arie der Gräfin aus Mozarts „Figaros Hochzeit“ und zwei brillanten Konzertarien klangliche Schmuckstücke. Von jener hohen Gesangskultur getragen, wie sie auch Anny Schlemm ausgezeichnet hat, die freilich allem Diven-Kult misstraut. „En Isenborscher Mädche bleibt en Isenborscher Mädche, auch wenn’s ins Museum kimmt“, bilanzierte der Weltstar im schönsten Südhessisch. So isses! KLAUS ACKERMANN

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