Makellosigkeit größter Makel

Frankfurt - Im Hintergrund blinken Lichter eines Sternenhimmels. Über den Musikern schweben orientalische Laternen mit elektrischen Kerzen. Vor romantisierendem Kitsch hat Loreena McKennitt keine Scheu. Von Stefan Michalzik

Vor Pathos auch nicht. Die Kanadierin spürt in der Frankfurter Alten Oper den „Celtic Footprints“, so nennt sie ihre derzeitige Konzertreise, den keltischen Wurzeln ihrer irischen und schottischen Vorfahren in Spanien, Frankreich, der Türkei und dem Orient nach. Die 55-Jährige mit dem dem wallenden Blondhaar und der feenhaften Anmutung strebt eine ungetrübte Schönheit an. Es ist eine Sehnsucht nach Entrücktheit von den Anfechtungen der modernen Zeit, die sie mit getragenen Weisen und mystischen Texten befriedigt.

Zur Urwüchsigkeit des Folks hält sie weidlich Distanz. Die zwischen Klavier, Harfe und Akkordeon wechselnde Musikerin und ihr achtköpfiges Begleitensemble, das mit akustischen und elektrischen Gitarren, Drehleier, Fiddle und Dudelsack, Bouzouki und Oud, Cello, Kontra- und elektrischem Bass, Rahmentrommel und Schlagzeug besetzt ist, führen Balladen im Repertoire – alles andere wirkt merkwürdig gemäßigt. Bis hin zu Jigs, denen tänzerische Ausgelassenheit ausgetrieben wurde.

Die Makellosigkeit ist der schlimmste Makel dieser Musik. Geheimnis, Zauber und Aura, die eigentlichen Reize der keltischen Musikkultur werden vom hemmenden Faktor eines aseptischen Sounds überdeckt.

Nach der Pause kam immerhin etwas mehr Fahrt auf. Wenn nun noch pauschalierende Elemente wie die jaulende E-Gitarre oder das allzu gerade Schlagzeug und den quäkig-elektrifizierten Sound der Fiddle eliminiert worden wären, hätte durchaus etwas künstlerisch satisfaktionsfähiges herauskommen können. Leichtigkeit, auch in den Balladen: Das vermag Loreena McKennitt nämlich schon. Ihre besten Momente hat sie, wenn ihre Stimme nur von kleinen Besetzungen begleitet wird. Da gelingen ihr anrührende Balladen. Dann offenbart sich ihr Vermögen, ihre Hörer unmittelbar anzusprechen.

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