Lupenreiner Zugriff auf Beethoven

Mutig: Mit Beethovens letztem Streichquartett F-Dur op. 135 eröffnete das Miró Quartet sein Konzert im Mozart-Saal der Alten Oper. Beethovens Werk hat Momente, die sich nur mit der Taubheit des Komponisten erklären lassen, das schier atemlose Heraufschrauben der ersten Violinstimme im zweiten Satz etwa: Primarius Daniel Ching spielte diese Passage so lupenrein wie konzentriert. Von Axel Zibulski

Dabei hatte die Interpretation eine, gemessen am jugendlichen Alter der Musiker, souveräne Abgeklärtheit. Selbst der ringende, von Beethoven als „schwer gefasster Entschluss“ bezeichnete Einstieg ins Finale hatte Tiefe, aber eben nicht zu viel Schwere.

Aus dem einzigen Streichquartett des US-Amerikaners Samuel Barber (1910-1981) ist vor allem der Adagio-Mittelsatz bekannt, als „Adagio for Strings“ in der Fassung für Streichorchester. Diesen Satz spielten die US-Musiker mild, mit angenehm wenig Vibrato und Süße, vielmehr introvertiert und abgeklärt. Dass die beiden klassizistischen Rahmensätze dagegen abfallen, konnte ihre Interpretation freilich nicht verheimlichen.

Wie aus einem Guss, musikantisch durchlebt, straff und bewegend klang schließlich die Wiedergabe von Antonín Dvoráks „Amerikanischem“ Streichquartett F-Dur op. 96, auf das die Musiker einen Satz aus dem Streichquartett von Claude Debussy folgen ließen.

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