Lust auf Live-Musik

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Gute Laune verbreitete der Schweizer in den Neunziger Jahren, jetzt reist er mit „Fantasy“ durchs Land.

Frankfurt - Seine Instinkte für Musik und Markt haben René Baumann den Weg zum Erfolg gewiesen: In den 90er Jahren sammelte er als DJ Bobo mit seinen Dance-Pop-Hits Gold- und Platinauszeichnungen und verkaufte bis heute nach eigenen Angaben 13 Millionen Tonträger. Von Uwe Käding

Zugleich entwickelte er große Bühnenshows und machte sich unternehmerisch unabhängig: Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts, in dem das Live-Spektakel einträglicher als die Musikkonserve ist, kontrolliert er die Vermarktungskette von CD über Hochglanzbroschüre bis zum VIP-Ticket selbst. Nach „Pirates of Dance“ und „Vampires Alive“ geht der 42-jährige Schweizer in diesem Jahr mit „Fantasy“ auf Tour – und läutet ganz nebenbei das Revival der 90er ein.

Nach zwei Themenalben kehrt DJ Bobo zu seinen Wurzeln zurück, die in schnellen Beats, dem Tanz und einem Gute-Laune-Entertainment liegen. „Jetzt war's anders, jetzt hat der Bauch Musik gemacht, wie ich das schon 1992 oder so gemacht habe“, erzählt DJ Bobo. „Wir hatten jetzt ein paar Jahre das Thema über alles gestellt. Das war spannend, aber ich konnte nicht so ausbrechen, wie ich das wollte. Auf dem neuen Album gibt es Lieder mit afrikanischen Einflüssen. Bei Vampiren geht das schon nicht. Unter ,Fantasy’ geht halt alles. Das kam mir sehr entgegen.“

Ein paar Stunden unbeschwert fröhlich sein

Die Bühne besteht aus einer sechsarmigen, an eine asiatische Gottheit erinnernden Riesenfigur. Sechs Hände waren nötig, weil die Musiker auf erhöhten Ebenen spielen sollen. Neun Lieder aus dem gestern erschienenen „Fantasy“-Album gehören zur Show. Dazu kommen – dem Album ist eine Extra-CD mit 28 Hits von „There's A Party“ über „Where Is Your Love“ bis „Chihuahua“ beigelegt – die 90er Jahre, nur dass diesmal mehr Musik von echten Musikern gespielt wird. „Das hat mit meinem Alter zu tun“, sagt er. „Ich habe mich natürlich entwickelt. Ich habe Lust auf Live-Musik, auf die Band.“

DJ Bobo kommt am 15. Mai in die Frankfurter Festhalle.

Und Lust auf Kommunikation. DJ Bobo redet mit den Leuten, spontan, bindet sie in seine Show ein. Und wer zu einem DJ-Bobo-Konzert geht, macht mit. „Ich glaube, es ist diese Mischung zwischen bombastischem Effekt und ganz intimen Dingen“, erklärt er sein Erfolgsrezept. Und noch etwas kommt hinzu: „Die Leute freuen sich auf was Neues, egal was es ist. Das Vertrauen von ihnen in uns ist groß. Wir sehen das beim Kartenvorverkauf: Sie trauen uns! Sie wissen, wenn wir was ankündigen, a) findet es statt und b) auf einem Niveau, dass sie nicht das Geld aus dem Fenster rausschmeißen. Qualität und Kontinuität sind für die Leute wichtig, Kontinuität scheint ihnen sogar enorm wichtig zu sein.“ Und so tourt René Baumann, einer der letzten Musiker aus den 90ern mit dem „DJ“ im Künstlernamen, ab Mai wieder mit aufwendigster Bühnenkonstruktion durch große Hallen. Ein paar Stunden unbeschwert fröhlich sein, das 90er-Jahre-Gefühl von Party und Spaß – „Fantasy“ verspricht, genau das zurück zu bringen.

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