Luther-Choral gemeinsamer Klang-Nenner

Im 19. Jahrhundert gehörten seine Werke zu den am häufigsten aufgeführten; in Frankfurt war Joachim Raff in den fünf letzten Jahren seines Lebens bis 1882 Direktor des Dr. Hoch’schen Konservatoriums.

Insoweit war das Gastspiel des Kammerorchesters Basel im Großen Saal der Alten Oper auch ein Heimspiel: Unter der Leitung des Amerikaners David Stern stellte das 1984 gegründete Ensemble in einem Pro-Arte-Konzert Raffs Ouvertüre „Ein feste Burg ist unser Gott“ op. 127 Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy gegenüber, der Frankfurt und sein Umland ja bekanntlich ebenfalls schätzte.

Der Luther-Choral war dabei thematische Klammer, denn nicht nur Raff zitiert ihn in seiner Ouvertüre; auch Mendelssohn bezieht ihn in seine fünfte, die „Reformations“-Sinfonie d-Moll op. 107 ein. Stern interpretierte diese im zweiten Programmteil auffallend straff, aufgewühlt, romantisch ruhelos – mit umso gelassener abgesetzten Zitaten jenes „Dresdner Amens“. Die Streicher entfalteten einen besonders fülligen, warmen und sphärischen Klang.

Weitgehend solide war eingangs die Interpretation von Raffs ein wenig langatmiger Ouvertüre: Das 1865 in Karlsruhe uraufgeführte Stück wurde vom Paukisten eindeutig als dramatisch aufgeladen präsentiert, die registerhaft geforderten Bläser spielten zuverlässig, ohne dem Werk den Charakter einer romantischen Gelegenheits-Komposition nehmen zu können.

Von derartigen Bedenken frei ist die Rezeption von Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64. Das hoch populäre Werk wurde von der Geigerin Sarah Chang interpretiert – fein im nie zu vibratogesättigten Ton, trotzdem schwelgend im langsamen Mittelsatz und doch auf unruhig-forscher Linie mit dem Kammerorchester in den rasch voranpreschenden Rahmensätzen. Sarah Chang, für ihre routinierte wie vitale Wiedergabe aus eher lichten Reihen stark gefeiert, ließ keine Zugabe folgen, während das Kammerorchester Basel am Ende des Abends ein Da Capo des Allegrettos aus Mendelssohns „Reformations“-Sinfonie anschloss. AXEL ZIBULSKI

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