Männer und Freundschaft

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Steve Lukather und Nathan East boten ein Kontrastprogramm zum WM-Halbfinale.

Wenn innige Männerfreundschaften in seltsame Schräglage geraten, kann es eine Ewigkeit dauern, bis sich die Balance wieder einstellt. Die 1977 gegründete Formation Toto trennte sich wegen unüberbrückbarer Differenzen, wie das immer so schön heißt, schon einige Male.  Von Ferdinand Rathke

Gitarrist Steve Lukather gerät dann immer mit Sänger Bobby Kimball und dieser mit ihm aneinander. Aktuell ist keine Annäherung der beiden langjährigen Streithähne in Sicht. Nicht einmal aus gegebenem traurigen Anlass, weil einige Benefiz-Konzerte für den an ALS erkrankten ehemaligen Toto-Bassisten Mike Porcaro anstehen.
Eigentlich ist das einst weltweit umsatzstarke Erfolgssextett offiziell schon seit zwei Jahren aufgelöst. Aufgrund noch immer schwelender Dissonanzen übernimmt an Stelle von Kimball der schon einmal zwischen 1986 bis 1988 eingesprungene Joseph Williams den Posten des Frontmanns beim komplett ausverkauften Gastspiel in der völlig überhitzten Neu-Isenburger Hugenottenhalle. Ausgerechnet an jenem unseligen Mittwochabend, der für die deutsche Nationalmannschaft im Clinch mit den unschlagbaren Spaniern das endgültige Aus bei der WM 2010 auf den Sieg bedeutet.

Von „Africa“ bis „Rosanna“

Dicht auf den Fersen am Mikrofon folgt Williams ausgerechnet der als einziger des Ensembles mit lukrativer Solokarriere ausgelastete Lukather, der eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Songs als Sänger im spielfreudigen Reigen übernimmt. Nahezu sämtliche Hits von „Africa“ bis „Rosanna“ intonieren die noblen Herrschaften, in deren Reihen sich auch noch Schlagzeuger Simon Phillips, Bassist Nathan East sowie die Keyboarder David Paich und Steve Porcaro finden. Aber auch kompliziert Arrangiertes wie „Child's Anthem“, „Lovers In The Night“ oder „I Will Remember“ kommt zu Gehör.

Nach recht unterhaltsamen 90 Minuten und der Mainstream-Rock-Hymne „Hold The Line“ zur Zugabe bleibt kein Zweifel: Toto zählen noch immer zu den exaltierten Vertretern einer langsam aussterbenden Zunft an virtuosen Musikern, die mit perfekter Mixtur aus Pop, Rock und Jazz ein Wohlstandspublikum zu bezaubern weiß, das ebenso in die Jahre gekommen scheint, wie die deutlich gealterten Idole.

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