Märchen als Computerspiel

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Jürgen Amonath als futuristische Hexe und Jan Schuba als Philipp bieten in Hanau eine eindruckvolle Leistung.

So sehen Hexen in Fantasy-Computerspielen aus: martialisch schwarz gewandet, bleiches Gesicht und ein krakenähnliches Gebilde auf dem Kopf. Von Christian Spindler

Mit der Hexe in der Inszenierung „Das blaue Licht“, die nun bei den 25. Brüder-Grimm-Märchenfestspielen im Hanauer Amphitheater Premiere hatte, hat Kostümbildnerin Ulla Röhrs ein faszinierendes Wesen geschaffen, dem Jürgen Amonath mit seinem schrill-zerrissenen Spiel kraftvoll Leben einhaucht.

Im Jubiläumsjahr des Festivals werden mit „Der alte Sultan“, „Cassandrino, der Meisterdieb“ und „Das blaue Licht“ neben dem Klassiker „Dornröschen“ drei relativ unbekannte Märchen dramatisiert. Ex-Intendant Dieter Stegmann hat mit der Geschichte vom ausgemusterten Soldaten, dem sein Lohn vorenthalten wird und der mit Hilfe des magischen blauen Lichts Reichtum und Prinzessin bekommt, eine vielschichtige Handlung auf die Bühne gebracht. Er präsentiert sie gleichsam als Computerspiel, in dem Schüler Philipp und seine Mutter zu Akteuren in der virtuellen Welt werden.

„Das blaue Licht“ ist nächstmals am 4. Juli, 16 und 20.30 Uhr, sowie am 5. Juli, 14 und 17.30 Uhr, zu sehen.

Geschickt nutzt Stegmann die Möglichkeiten und Spielebenen, die Tobias von Wolffersdorffs Bühne bietet: Da öffnen sich Grotten, tun sich prächtige Zimmer auf. Vor allem im ersten Teil gelingen spannende Passagen, so der Widerstreit zwischen Philipp oder später dem Soldaten und der Hexe, bei der sie Frondienste leisten. Dann gleitet die Inszenierung ab, bekommt burleske Züge, frönt dem Schwank und zelebriert den Klamauk, der bisweilen haarscharf an Peinlichkeiten vorbeischrammt.

Ein Märchen als Computerspiel, das ist eine gelungene Aktualisierung, die Autor und Regisseur Stegmann vorgenommen hat. Dass er Themen wie die Finanzkrise einbaut, wirkt in der Umsetzung gestelzt und aufgesetzt – wie auch das Ende, bei dem der Moralist arg belehrend wird.

Am Freitag läuft mit dem italienischen Märchen „Cassandrino“ das vierte und letzte Stück der Spielzeit an, die bis 2. August dauert.

Es bleibt ein ambivalenter Eindruck der Bühnenfassung, die mit eindringlichen Szenen glänzt, aber Dialog-Längen und einige Plattheiten aufweist. Eine Inszenierung indes, deren zehn Akteure fast ausnahmslos beeindruckende Leistungen bieten; allen voran Jan Schuba als Philipp beziehungsweise Geist, Jürgen Amonath als Hexe und Raphael Dörr als Soldat, die vom Premierenpublikum den meisten Beifall bekommen.

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Dieses Schauspiel mit Musical-Elementen (Kompositionen: Alexander S. Bermange) soll eher Jugendliche und Erwachsene ansprechen und ist für kleine Kinder weniger geeignet.

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