Die mageren Jahre sind vorbei

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Von einem Revival der Rubens-Figur ist zurzeit die Rede. Mollig und selbstbewusst statt dürr und wenig widerstandsfähig sei angesagt, heißt es. Die amerikanische Sängerin Beth Ditto, Frontfrau der Punk-Band The Gossip, während eines Auftritts in Glastonbury (Archivfoto vom 27.06.2008) ist das beste Beispiel dafür.

Deutschland - (dpa) Vor einem Revival steht die Rubens-Figur: Mollig und selbstbewusst statt dürr und wenig widerstandsfähig ist angesagt - der Hype um die füllige US-Sängerin Beth Ditto oder auch um die Theaterform New Burlesque sind Anhaltspunkte dafür.

Die berühmteste Vertreterin dieser Tanzgattung, die kurvige Amerikanerin Dita von Teese, unterstützt am Wochenende sogar den deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest.

Der Regensburger Psychologe Martin Gründl erklärt auf der Internetseite beautycheck.de, eine weltweite Studie habe ergeben, dass in reichen Ländern eigentlich Schlankheit bevorzugt werde. Fett verliere, wenn es allen gut geht, „seinen Informationswert als Zeichen von Wohlstand“. „In armen Ländern hingegen gelten tendenziell dickere Frauen als schön“, sagt Gründl.

Sind wir nun angesichts der Wirtschaftskrise schon so weit, dass auch in den Industrienationen Übergewicht attraktiver als Untergewicht wird? Das Comeback der Burlesque, das zurzeit in Deutschland gefeiert wird, könnte in eine solche Theorie passen. Bei der Burlesque ziehen sich oft vollschlanke, gut gepolsterte Frauen erotisch aus. In Hamburg gibt es bereits einen Club, der sich dem humorvollen Strip widmet: die Bar „ Queen Calavera“. Auch der Pop lobt wieder das Moppelige: Das Verhältnis zu Rundungen scheint entspannter geworden zu sein. In seinem Erfolgsalbum „Stadtaffe“ singt Peter Fox geradezu begeistert von beleibten Frauen. Sein „Schüttel Deinen Speck“ ist weit weniger aggressiv als Westernhagens Song „Dicke“ aus den Wohlstands-70ern.

International gilt die 28-Jährige Beth Ditto als Verkörperung des neuen Dick-Chics. Die Frontfrau der Punk-Band The Gossip saß schon bei Modeschauen des dürren Modeschöpfers Karl Lagerfeld oder bei Stella McCartney und Jean Paul Gaultier in der ersten Reihe. Die selbstbewusste XXL-Sängerin zieht sich bei Konzerten gerne aus und zeigt stolz ihren Schwabbelbauch. Der trendbewusste Condé-Nast-Verlag („Vogue“) nahm Ditto vor kurzem auf das Titelblatt der neuen Zeitschrift „Love“, die er in Großbritannien lancierte. Katie Grand, die Chefredakteurin, gab dazu als Begründung an: „Wer will in Zeiten, die nicht perfekt sind, noch mit der Vorstellung von Perfektion aus den guten Tagen behelligt werden?“

Doch gibt es in der Modebranche, die den Trend zum Dürrsein so forcierte, tatsächlich eine dauerhafte Abkehr von der Magersucht? Einige Experten glauben das nicht. Die Modejournalistin Anke Schipp („Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“) sieht eher einen vorübergehenden Hype. Sie hält das Phänomen für die Modeerscheinung in einer gelangweilten Branche, die alles ausgereizt und derzeit eine Menge zu verlieren hat - also auf sich aufmerksam machen muss. Trotzdem: Size-ZeroModels haben immer öfter null Aufträge. Seit der spektakulären Verbannung von Magermodels bei Modeschauen in Madrid im Jahr 2006 setzt sich immer mehr eine Abkehr von allzu Dünnen durch.

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