Magier mit Laserharfe

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Unter Dauerspannung: Dem rastlosen Übervater der elektronischen Bombast-Musik sieht man seine 63 Lebensjahre beileibe nicht an.

Frankfurt - Drei Milliarden Menschen, so die Schätzung, haben das Konzert von Jean Michel Jarre Anfang Juli anlässlich der Fürstenhochzeit in Monaco via Fernsehen oder Internet zumindest zum Teil gesehen. Von Markus Schaible

Zugegeben, in Frankfurt sind es ein paar weniger, in der Festhalle gibt es sogar größere Lücken in den Stuhlreihen. Und dennoch: Der mittlerweile 63-jährige Pionier der Elektronikmusik gibt auch in kleinerem Rahmen den Zeremonienmeister – und die Show bietet eine multimediale Großoffensive für Ohren und Augen.

Dabei gibt sich Jarre volksnah, läuft zu Beginn durchs Publikum, klatscht Fans ab, während seine drei Begleiter an Synthesizern und Percussions den ersten kleinen Einblick in den Bombast geben, der die nächsten zwei Stunden bestimmen wird. Und dann fängt der Franzose da an, wo alles begann: bei „Oxygene“ - (noch) nicht der berühmte Teil 4 des 1976 veröffentlichten Welterfolgs, sondern Teil 2, aber dennoch ein erster Ohrwurm.

Pulsierender Rhythmus

Pulsierender Rhythmus, dazu ein eindringliches Haupt- und viele fast ebenso eingängige Nebenthemen: Was vor 35 Jahren gut klang, klingt anno 2011 noch immer frisch. Obwohl Jean Michel Jarre in perfektem Sound natürlich überwiegend Stücke von Alben wie „Equinoxe“, „Révolution Industrielle“ oder „Rendez-Vous“ präsentiert, die etliche Jahre auf dem Rücken haben. Aber genau die will das Publikum hören, obwohl es nicht ganz so klatschfreudig ist, wie der Meister es gern hätte.

Denn der Elektronikmusikpapst wirkt, als sei er selbst an eine Hochspannungsleitung angeschlossen. Er hüpft hin und her, hechtet von einem Synthie zum anderen, drückt Tasten, dreht Knöpfe, malträtiert die kleinen Becken, die überall an seiner Kommandozentrale angebracht sind, und animiert permanent die Zuschauer, mitzugehen im Rhythmus.

Doch die müssen nicht nur hören und klatschen, sondern auch schauen. Obwohl die Effekte nicht zu übertrieben eingesetzt werden - irgendetwas gibt es immer zu sehen. Zeichentrickfilme flimmern über die Leinwand, dann wieder Livebilder in Schwarzweiß, zwischendrin setzt Jarre gar eine Brille mit angesteckter Kamera auf, sodass jeder den gleichen Blickwinkel wie er hat auf die Tasten, Knöpfe, Stecker und was sich da sonst noch so befindet auf der Bühne.

Fast die Gestik eines Magiers

Da steht (und erklingt) dann irgendwann auch das Theremin, das 1919 erfundene, allererste funktionierende elektronische Instrument, das Jarre fast mit der Gestik eines Magiers bedient. Kurz darauf schießen die grünen Strahlen der Laserharfe aus dem Boden, der Jarre allein durch Handauflegen Töne entlocken kann.

Auch zur visuellen Unterhaltung hat er reichlich Laser mitgebracht. Die setzte er bereits ein, als er im vergangenen Jahrtausend Großkonzerte vor einem Millionenpublikum unter anderem am Triumphbogen in Paris und bei der NASA in Houston gab. Und davon profitiert das Publikum in Frankfurt noch heute. Denn wenn einer weiß, wie man Musik und Licht zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführt, dann Jean Michel Jarre.

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