Magnificat als Gassenhauer

Bei der vorweihnachtlichen Lounge im Offenbacher Capitol kam der Advent angemessen zur Geltung. Hauptwerk war das Magnificat. Marias Lobgesang von der Vorfreude auf die Christgeburt erklang in der Vertonung von John Rutter. Mit eigenwilliger Gliederung und Gestaltung setzt sich der englische Komponist entschieden über die Tradition der Magnificat-Vertonungen hinweg. Von Eva Schumann

Das 1990 in New York uraufgeführte Werk ist dank der vielfältigen, effektvollen bis gefälligen Stilmischung populär. Die Rhein-Main-Vokalisten, vortrefflich präpariert von Jürgen Blume, brachten sie mit Präzision, deutlicher Artikulation und klanglicher Sensibilität zur Wirkung. Flexibel auf die metrischen und harmonischen Kontraste eingehend, zeigte sich der Chor sowohl den tonalen Raffinessen als auch den rhythmischen Schwierigkeiten gewachsen. Mitreißend geriet die jazzige Fuge „Fecit potentiam“, festlich und glanzvoll das Gloria.

Unter Jens Troester begleitete die Neue Philharmonie Frankfurt mit Sorgfalt. Der Dirigent sorgte für gute dynamische Balance; nur an wenigen Stellen hatte der Chor Mühe, sich gegen orchestrale, vom Blech beherrschte Klangmassen durchzusetzen. Sopranistin Rebecca Broberg vermochte mit klarem, kraftvollem Timbre Chor und Orchester zu überstrahlen. Nur schade, dass die Satzfolge hartnäckig zerklatscht wurde.

Gelegenheit zu sinnvollem Beifall gab Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, traditionell mit Weihnachten verbunden. Viel Vergnügen bereiteten die Philharmoniker mit dem differenzierten, disziplinierten Hexenritt und dem eleganten Knusperwalzer. Als Eröffnungsstück diente das sinfonische Vorspiel zu Humperdincks Oper „Die Königskinder“, dargeboten als Mischung aus Schwung, Pomp, Pathos und Anmut. Im Wechsel mit der Musik lasen Evren Gezer und Michael Beseler ernste und heitere, adventliche und weihnachtliche Texte, bevor das Publikum das Lied „O du fröhliche“ kräftig intonierte.

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