Mahlers Siebte als orchestrales Schaulaufen

Frankfurt - War’s etwa ein Schaulaufen? Vor ihrem Frankfurter Konzert spielten die Berliner Philharmoniker in Salzburg, in Luzern. Allerorten Mahlers Siebte. Von Axel Zibulski

Dass die österreichische Presse einiges zu mäkeln hatte, mag dem Groll über den baldigen Rückzug des Orchesters von den Salzburger Osterfestspielen geschuldet sein. Aber auch die Reaktionen in der Schweiz verhießen keineswegs pures Idyll.

Das Publikum im Großen Saal der Alten Oper immerhin feierte die Berliner und ihren Chefdirigenten Simon Rattle. Auf dem Programm stand einzig Gustav Mahlers fraglos abendfüllende Sinfonie Nr. 7 e-Moll. Auf den teuersten Plätzen im ausverkauften Großen Saal bedeutete das knappe zwei Euro für jede der 80 Mahler-Minuten. Von denen allerdings etliche so unhinterfragt glatt wie tiefenfrei vorbeiziehen sollten. Dabei ist Mahlers 1905 vollendete Siebte eines der enigmatischeren Werke des Komponisten, mit ihren beiden „Nachtmusiken“, ihrem selbst im Vergleich zu anderen Mahler-Sinfonien besonders spukhaften, geheimnisvollen Scherzo, ihrem wie aufgepfropft losjubelnden C-Dur-Finale. Besonders populär ist sie nicht, überhaupt durfte man Außergewöhnliches erwarten, als Rattle und die Berliner das Werk interpretierten, im 100. Todesjahr des Komponisten zumal, während sich beinahe jedes Orchester landauf, landab Mahler vornimmt.

Heiteres Idyll der „Nachtmusik“

Was zu hören war, glänzte, und weil sich Glanz im Nächtlichen so schwer erkennen lässt, blendete Simon Rattle dieses Element der Siebten, so gut es eben ging, aus. Schade. Der zweite Satz, die erste „Nachtmusik“ also, war ein heiteres Idyll, ohne Fragezeichen und Doppelbödigkeit, wie zuvor auch die partiturgerecht von Ferne alpin bimmelnden Kuhglocken. Ziemlich diesseitig klang das alles, hier auch das „schattenhaft“ zu spielende Scherzo, in dem sich die Berliner die fetzenhaften Motiv-Partikel so glatt und bruchlos zuwarfen, dass es eine Freude hätte sein können, genussvoll zuzuhören – wäre da nicht eben einer der nervösesten, beklemmenden, albtraumhaften unter allen Mahler-Sätzen verhandelt worden. Die zweite „Nachtmusik“ klang ungebrochen pittoresk, mit ihren Mandolinen- und Gitarren-Einwürfen, die praktischerweise von zwei Musikern miterledigt wurden, die in den übrigen Sätzen in den Bratschen spielten.

So blieb die Aufführung der siebten Sinfonie im Gestus am überzeugendsten, wenn sie bestenfalls etwas nicht war, im Finale also, wo sie nicht lärmend klang oder knallig, sondern vielmehr mit der Eleganz, der Entspanntheit eines geschliffen spielenden, bravourös austarierten Orchesterkollektivs ins jubelnde C-Dur zielte. Kein Druck schien hier zu spüren, vom allerletzten, von Rattle lang verzögerten Akkord vielleicht abgesehen, der zugleich so viel Effekt machte, dass er den Publikumsjubel nur anfachen konnte. Vielleicht war’s darum ja vor allem gegangen.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Carsten-Nadale

Kommentare