Benefizkonzert

Malek Jandali spielt für das syrische Volk

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Malek Jandali: In Deutschland geboren, im syrischen Homs aufgewachsen, lebt der Musiker heute in den USA.

Offenbach - Der Deutsch-Syrische Verein aus Darmstadt veranstaltet am 1. September im Offenbacher Capitol ein Benefizkonzert mit dem engagierten Musiker Malek Jandali. Der Erlös der Veranstaltung kommt den syrischen Flüchtlingen zugute. Von Fabian El Cheikh

Der Krieg in Syrien erschüttert. Zum einen die Menschen, die in Todesangst vor der zunehmenden Gewalt zwischen dem Regierungsapparat von Präsident Baschar al-Assad und den unzähligen oppositionellen Milizen ihre Häuser und Städte verlassen, vor allem aber all jene, die Opfer in ihren Familien beklagen. Die stolze Nation der Syrer, die auf eine sehr lange und bedeutende Geschichte zurückblickt, sieht sich seit mehr als einem Jahr einem grausamen Konflikt gegenüber, den so kaum einer erwartet hätte.

Auch die vielen Landsleute im Ausland leiden mit ihren Verwandten. So wie Malek Jandali. In Deutschland geboren, wuchs der syrische Pianist und Komponist, der heute in den Vereinigten Staaten von Amerika lebt, im besonders schwer umkämpften Viertel Baba Amro in der westsyrischen Millionenstadt Homs auf. Kurz nachdem sein Stück „Freiheit“, die Qashoush-Symphonie, herauskam, wurde sein Elternhaus zerstört. Im Interview mit der österreichischen Zeitung Der Standard sagte Jandali: „Ich habe mich verpflichtet gefühlt, die einfache Melodie von ,Hau ab, Baschar’, die Ibrahim Qashoush in den Straßen sang, in eine Symphonie zu fassen. Das Regime ließ ihm die Kehle durchschneiden und ihn in den Fluss werfen. Ich hätte nicht den Mut zu tun, was er tat, ich kann nur seine schöne Seele ehren.“ Um seinen traumatisierten Landsleuten zu helfen, holt der Deutsch-Syrische Verein in Darmstadt Malek Jandali zu einem Benefizkonzert am 1. September ins Offenbacher Capitol. Es wird Jandalis erster Auftritt in Deutschland sein.

Arabischer Musiker aus Deutschland

Geboren 1972 in Deutschland als Sohn syrischer Eltern ist der 40-Jährige als führende Figur in der heutigen Klavierwelt hoch anerkannt. Seine herausragenden Aufnahmen und ausgedehnten Konzertreisen wurden international von Kritikern gelobt. Seine musikalische Karriere als Konzertpianist begann 1988 mit dem Gewinn des „National Young Artists Wettbewerb“. 1997 erhielt er den „Outstanding Musical Performer Award“ in den USA.

Syrische Flüchtling: Vor der Gewalt im eigenen Land geflüchtet, leben sie nun im Bashabshe Flüchtlingscamp an der syrisch-jordanischen Grenze.

Malek Jandali ist der erste arabische Musiker, der die in Ugarit gefundene älteste Musiknotation der Welt für sein 2008 erschienenes Album „Echoes from Ugarit“ in die westliche Notation arrangierte. Ugarit, in der Nähe der syrischen Hafenstadt Lattakia gelegen, war unter den Kanaanitern zu Beginn des zweiten Jahrtausends vor Christus das politische und kommerzielle Zentrum Nordsyriens. In Konkurrenz zu Byblos im heutigen Libanon entstand hier aus der Keilschrift von Ugarit das erste Alphabet der Alten Welt, aus dem sich die griechische, kyrillische und lateinische Schrift entwickelten. Aber auch das arabische, hebräische, aramäische und sogar das äthiopische Alphabet hat hier seine Wurzeln.

Seine Lieder bewegen auch die Queen

Für sein Lied „Watani Ana – ich bin meine Heimat“ sowie für sein Engagement in der arabischen Frühlingsbewegung für mehr Menschenrechte und Demokratie empfing Jandali 2011 den „Freedom of Expression“-Award in Los Angeles. Sein letztes Album „Emessa“ wurde erstmals mit dem russischen Philharmonie-Orchester aufgenommen. Inspiriert wurde die Musik von der aktuellen syrischen Revolution und vom Mut der Menschen gegen Brutalität und Diktatur.

Jandali faszinierte durch seine Vielfältigkeit das Publikum in Konzerten in Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten in renommierten Konzertsälen wie dem Lafayette Park beim Weißen Haus, dem Kennedy Center, dem Royal Conservatory of Toronto, dem Music Institute of Chicago, dem St. Johns Smith Square in London, den Opernhäusern in Damaskus und Kairo sowie dem Wiener Konzerthaus. Eines seiner letzten Konzerte gab er in London anlässlich des Kronjubiläums von Queen Elisabeth II mit dem Royal Philharmonic Orchestra.

Das Engagement geht weiter

Neben dem Auftritt Malek Jandalis in Offenbach sind weitere Programmpunkte geplant. „Wir haben unter anderem den syrischen Autoren und Kritiker Rafik Shami als Moderator angefragt“, sagt Martin Jourdan vom Deutsch-Syrischen Verein. Dieser ist von einigen engagierten deutschen und syrischen Ärzten in Darmstadt gegründet worden, die nicht länger tatenlos zusehen wollen, wie den Syrern ein Leben in Freiheit verwehrt wird.

Ablauf des Konzerts:

16 Uhr: Begrüßungswort
16.15 Uhr: Oud-Solospiel
17 Uhr: Spendenaktion
18 Uhr: Hauptkonzert mit Malek Jandali
19 Uhr: Autogrammstunde
20 Uhr: Ende

Tickets für das Benefizkonzert im Capitol gibt es an allen bekannten Eventim-Vorverkaufsstellen, online auf www.ticketonline.de und unter der bundesweiten Tickethotline 01805/470000.

Der Verein leistet in den Flüchtlingslagern an den syrischen Grenzen medizinische Nothilfe und Impfprogramme, unterstützt Flüchtlinge finanziell und betreut Witwen und Waisenkinder psychologisch. „Wir versuchen aber auch Hilfe vor Ort in Syrien zu organisieren. Vor allem in den von der syrischen Armee abgeriegelten und teilweise unter Beschuss stehenden Gebieten, in denen die Gesundheitsstrukturen zusammengebrochen sind oder die Bevölkerung unzureichend versorgt wird“, betont Jourdan. „Der Erlös des Benefizkonzerts kommt der weiteren Arbeit des Vereins und damit direkt den Menschen in Syrien zu Gute.“

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