Mando Diao in der Jahrhunderthalle

Druiden im Nebel

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Frankfurt - Bevor die Zuschauer mit „Gloria“ und „Dance With Somebody“ Songs zu hören bekommen, die sie von der schwedischen Band Mando Diao erwartet haben, müssen sie einiges über sich ergehen lassen: „Was zur Hölle machen die da?“, fragt sich ein Mittvierziger in Lederkluft während der ersten Takte. Von Ronny Paul

Viele wähnen sich zunächst im falschen Film. Was die Schweden, die sich als Indie-Rock-Formation einen Namen gemacht haben, in der Frankfurter Jahrhunderthalle bieten, könnte durchaus als Avantgarde-Theater oder Außerirdischen-Messe durchgehen, so skurril wirkt es. Gustaf Norén, Sänger und Gitarrist, betritt in einer Art weißer Kutte als erster die Bühne und verkündet in messianischer Pose dem Publikum: „Ich bin heute Euer Sklave und mache alles was ihr wollt“, um dann noch nachzuschieben: „Dies ist ein Gesellschaftsspiel zwischen Euch und mir.“ Was er damit meint, wird erst später klar, denn noch erahnt keiner, wie der Abend weitergeht.

Die Bühne wirkt wie ein futuristisches Stonehenge: Nebel, Elemente und Künstler komplett in Weiß, das Licht dunkelrot oder -blau, in der Mitte ein weißes Hexagon, das sich als Podest für verschiedene Keyboards entpuppt. Norén sowie Björn Dixgård, ebenfalls Sänger und Gitarrist, spielen zumeist auf einem kleinen Podest vor der Bühne. Höhepunkt der Skurrilität ist der Song „Apocalypse“, bei dem gebündeltes Licht von oben wie ein Beamstrahl auf das flackernde Hexagon trifft. Die fünfköpfige Band tanzt wie eine Horde Druiden, das Wort „Apocalypse“ endlos wiederholend, um das weiße Bühnenelement.

Bilder vom Auftritt von Mando Diao

Mando Diao in der Jahrhunderthalle

Bis zu diesem Zeitpunkt spielen die Schweden keinen einzigen ihrer Rocksongs aus ihrer mittlerweile siebenteiligen Diskographie, sondern einen Mix aus Folk, Dance-Pop und Ambientklängen.

Nach dem verstörenden „Apocalypse“-Schauspiel fallen allerdings die Hüllen, sowohl musikalisch als auch kleidungstechnisch. Norén und Dixgård, die wie eine Persiflage auf Dave Gahan und Martin Gore von Depeche Mode wirken, entkleiden sich fast vollständig, stehen halbnackt auf der Bühne und sehen aus wie Saunabesucher, die sich weiße Handtücher umgehängt haben. Doch mit der Kleidung fällt auch die avantgardistische Musik, und der Rock kehrt ein, unter anderem mit der aktuellen Single „Black Saturday“. Die Stimmung wird sichtlich besser und erreicht mit dem Hit „Dance With Somebody“ doch noch einen Höhepunkt. Norén lobt die Zuschauer am Ende für ihre Tapferkeit und scheint sich sichtlich über deren Verblüffung zu freuen, schließlich war alles – wie angekündigt – nur ein Spiel, allerdings kein allzu gutes.

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