Marathon-Mann mit Kostbarkeiten

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In der Frankfurter Arena hatte der „Boss“ seine Fans gut im Griff.

Wenn eine seit dreieinhalb Jahrzehnten etablierte Rockgröße wie Bruce Springsteen zum Deutschlandfinale in der Frankfurter Arena gastiert, sind drei Stunden weitgehend vorgezeichnet. +++ Fotostrecke +++ Von Ferdinand Rathke

Ein unterhaltsames Spektakel in aufregendem Ambiente darf’s schon sein – schließlich erwarten mehr als 40 000 teils weit Gereiste gewisse Superlative für die teuren Eintrittskarten. Da Springsteen zum Marathon neigt, fällt die Aufgabe für eine Vorgruppe flach, sich gegen ihn beweisen zu müssen. Als Gitarrist Nils Lofgren sich am Akkordeon an der Volksweise „Muss i denn“ im Walzertakt versucht, herrscht noch reges Treiben: Viele suchen ihren Sitz, organisieren Getränke und Snacks.

Da verpasst mancher glatt den Auftakt von Bruce Springsteen & The E Street Band: „Badlands“, Klassiker der 70er vom Album „Dark ness On The Edge Of Town“, gerät schlicht fulminant mit ersten Höchstleistungen von Gitarrist Steve van Zandt, Schlagzeuger Max Weinberg und Saxofonist Clarence Clemons. Drei weitere Titel dieses Werks, „Adam Raised A Cain“, „Factory“ und „The Promised Land“, folgen in einem Mix aus mehr als zwei Dutzend Songs, der sämtliche Schaffensperioden des Stars berücksichtigt, aber bei der Fülle des Materials zwangsläufig den einen oder anderen Fan enttäuscht, weil just sein Favorit nicht dabei ist.

So heizte „The Boss“ seinen Fans ein...

„The Boss“ triumphiert in Frankfurt

Sogar das Klangbild stimmt einigermaßen in der Arena, die mehrere Generationen aller sozialen Schichten beherbergt. Zumindest für Zuschauer, die im Innenraum stehen oder rund um die Bühne Platz nehmen dürfen. Oder für die Glücklichen in vorderen Reihen, die auf Tuchfühlung mit Springsteen gehen, wenn er sich ihnen nähert. Auf oberen Rängen verhallen Hits wie „Hungry Heart“, „Born To Run“, „Dancing In The Dark“ und „Because The Night“. Da blicken nicht nur die vielen Frauen sehnsuchtsvoll zur Bühne, wo der Chef in durchgeschwitzten Jeans und Hemd akrobatische Gymnastik vollzieht, dabei Gesang und Gitarre nicht vergisst.

Nicht nur markige Biker, auch deren bessere Hälften mögen den „Boss“. Setzt der mit fast 60 Jahren noch jugendlich wirkende Familienvater von eher kleiner Statur doch seine sympathische Aura mit verhaltenem Sex-Appeal ein. Gepaart mit skandalfreiem Leumund verleiht das Glaubwürdigkeit. Sein Cowboy-Look bei der Hymne „Outlaw Pete“ betört beide Geschlechter und macht weniger spannende Songs wie „Lonesome Day“, „The Rising“ und „Waitin’ On A Sunny Day“ zum Augenschmaus.

Entgegen vielen Kollegen versteht Springsteen sich nicht als Jukebox. Statt fraglos vorhandener Hits serviert der zum Finale hin etwas außer Puste geratende Rock-Gigant Preziosen wie das gospelige „Hard Times Come Again No More“, das elegische „Jungleland“ oder das im Irish-Folk-Stil gehaltene „American Land“.

Bevor sich ein sichtlich geschaffter Bruce mit Wehmut im Blick verabschiedet, kramt er einen Rhythm’n’Blues-Standard wie „Twist & Shout“ aus seiner Jugendzeit hervor. Geschickt gekoppelt mit Ritchie Valens’ „La Bamba“ ist es der ideale Kehraus, der andauernde Glückseligkeit bei der zähen Heimfahrt hinterlässt!

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