Mariinsky-Theater mit Erstaufführung

Frankfurt - Mit der deutschen Erstaufführung von Rodion Schtschedrins Oper „Der verzauberte Pilger“ leitete das Mariinsky-Theater St. Petersburg sein Gastspiel in der Region glanzvoll ein. Sie wurde in der Alten Oper mit Begeisterungsstürmen aufgenommen. Von Eva Schumann

Das Libretto vom Komponisten nach einer Erzählung von Nikolaj Leskow bietet dank des breiten Handlungsspektrums reiche Möglichkeiten zu musikalischem Ausdruck.

Der 1932 in Moskau geborene Enkel eines russisch-orthodoxen Geistlichen schöpft sowohl aus der Volksmusik, als auch aus der religiösen Tradition. Neben altrussischen Hymnen und Glockengeläut geben Anklänge an Schäfermelodien und dörfliche Klagelieder sowie folkloristisches Instrumentarium der 2002 als Auftragswerk für New York Philharmonic entstandenen Oper ihr Gepräge.

Moderne, leicht zugängliche Musik

Als „Post-Avantgardist“ scheut Schtschedrin nicht eine Aufweichung der Grenzen zwischen E- und U-Musik. Neben folkloristischen Elementen werden scharfe Dissonanzen, komplizierte Rhythmen und Instrumentation von origineller Farbigkeit als tonmalerische Mittel eingesetzt. So wirkt die Musik modern und doch leicht zugänglich, geht unmittelbar zu Herzen. So wirkt die Musik modern und doch leicht zugänglich, geht unmittelbar zu Herzen. Ihr Erfolg zeigt sich auch in der Verleihung des russischen nationalen Theaterpreises „Goldene Maske“ und der Nominierung für den Grammy.

Im Mittelpunkt der legendenhaften Erzählung steht der Klosterschüler Iwan, der sich seiner Jugend erinnert. Ihn verfolgt der Geist eines Mönchs, dessen Tod er verursacht hat. Die weitschweifige Handlung der Vorlage hat Schtschedrin in zwei Teile gegliedert, mit Rezitativen, Arien, Dialogen, Orchesterzwischenspielen, Prolog und Epilog. Das Werk definiert er als Oper für die Konzertbühne, in der Charaktere sowohl über sich selbst sprechen, als auch andere Rollen übernehmen und der Chor ebenfalls eine Hauptrolle hat.

Chor und Orchester souverän und präzise

Die anspruchsvolle Aufgabe des Wechsels zwischen Erzählung und unterschiedlichen handelnden Charakteren erfüllte das Solistenensemble auf denkbar vollkommene Weise. Mit einem Bass von enormer Tiefe begabt, war Sergei Alexashkin ein packender Protagonist Iwan, ob in getragenem Rezitativ berichtend, die Muttergottes um Gnade anflehend oder in der Kneipe hinreißend komisch streitend. Ihm zur Seite stand mit hoch differenziertem Spiel der brillante Tenor Andrei Popov als Mönch, Fürst, alter Mann der Wälder und als angesäuselter Verführer mit umwerfender Komik. Anrührende Höhepunkte schuf die Mezzosopranistin Kristina Kapustinskaya als Gruscha mit ihrer Zigeunerromanze und der einfühlsamen Gestaltung der Todesszene. Stimmliche Kraft und Schönheit verband sie mit untrüglicher Intonationssicherheit und fabelhafter Technik.

Der Chor (Einstudierung: Andrei Petrenko) und das Orchester des Mariinsky Theaters, souverän von Valery Gergiev geleitet, musizierten mit absoluter Präzision. Gergiev vermittelte die große Ruhe und religiöse Ausstrahlung ebenso wie die charakteristische Farbigkeit der Szenen und sorgte stets für ideale Balance zwischen Sängern und Orchester. Mitwirkende und Komponist wurden mit Ovationen gefeiert.

Rubriklistenbild: © Fabian Voswinkel/pixelio.de

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