Mark Knopfler in der Festhalle Frankfurt

Im Dienst der Gemeinschaft

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Unverwechselbares Gitarrespiel: Mark Knopfler

Frankfurt - „Ein Abend mit Mark Knopfler“ – der Hinweis auf der Eintrittskarte impliziert bereits eine gewisse Gediegenheit und Volkstümlichkeit. Von Oliver Signus

Und so kam es dann auch beim Gastspiel des Altmeisters, der mit „Dire Straits“ und seinem unverwechselbaren Gitarrenspiel Musikgeschichte schrieb. In der ausverkauften Frankfurter Festhalle bot der 63-Jährige vor allem Stücke aus seiner aktuellen Doppel-CD „Privateering“. Ein Konzert auf künstlerisch hohem Niveau, dem allerdings die Höhepunkte fehlten.

Der Anfang war verheißungsvoll. Mit „What It Is“, das - sanft treibend - mit seinen Riffs an alte „Dire Straits“-Zeiten erinnerte, startete Knopfler. Tausende Zuschauer folgten ihm rhythmisch wedelnd mit Eintrittskarten und Werbeflyern im durchweg bestuhlten Frankfurter Kulturtempel, angesichts einer vollkommen überforderten Klimaanlage wohl auch hoffend auf eine wenig Abkühlung. Doch wer nun einen Abend voller Hits erwartete, wurde enttäuscht. Selbst auf „Sultans Of Swing“ wartete die Fanschar vergebens. Stattdessen stellte Knopfler das Album „Privateering“ in den Mittelpunkt, das eine konsequente Fortsetzung seiner Soloarbeit ist. Eine Mischung aus Folk, Americana, Country und Bluegrass, hervorragend umgesetzt von einer siebenköpfigen Begleitband.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen Knopfler seine Musiker lediglich als Staffage für seine Musik benötigte, stellt er sich nun zunehmend in den Dienst der Band. Zwar glänzt er bei den meisten Stücken immer noch mit Soli, doch sind die längst nicht mehr so markant und dominant. Stattdessen überlässt er seinen Kollegen gerne mal das Feld, so etwa bei dem fast 15-minütigen „Marbletown“, das in einem musikalischen Zwiegespräch zwischen Kontrabass und Geige gipfelt – an Intimität kaum zu überbieten. Manches Mal wähnt man sich in einer irischen Musikkneipe, wenn zwischen Gitarren, dezentem Schlagzeug und Keyboard Querflöte und Uilleann Pipe, der irische Dudelsack, erklingt.

Es ist mutig, mit einem solchen Konzept in Hallen dieser Größenordnung zu gastieren, passt es doch atmosphärisch eher in kleine Clubs. Hinzu kommt, dass Knopfler auf eine spektakuläre Bühnenshow gänzlich verzichtet - ein paar bunte Scheinwerfer, hin und wieder eine Projektion, das war’s. Die Zuschauer honorieren jedes Stück brav mit Applaus, der an Länge und Stärke zunimmt, wenn er „Dire Straits“-Songs gilt. Davon gibt es in Frankfurt allerdings nur zwei, die stimmungstechnisch ins Konzept passen - neben der Ballade „Romeo and Juliet“ ist es das Zwölf-Minuten-Opus „Telegraph Road“.

Kiffen, Koksen und Saufen bei den Stars

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Knopfler hat seine künstlerische Berufung – wie viele seiner Kollegen jenseits der 60 – in der Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln gefunden. Damit zählt er, der in den rund 35 Jahren seiner Karriere etwa 120 Millionen Tonträger verkauft hat, nach wie vor zu den kommerziell erfolgreichsten Gitarristen der Welt. So gibt es für ihn keine Notwendigkeit sich in Nostalgie zu verlieren. Ein wenig mehr Rückblick hätte es an diesem Abend in Frankfurt aber durchaus sein dürfen.

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