Markenzeichen dunkle Stimme

Rückkehr und Abschied: Daliah Lavi, unter den Schlagersängerinnen der 70er Jahre eine der auffälligen, ist 15 Jahren bühnenabstinent gewesen. Ihre Konzertreise, die sie in Frankfurts Alte Oper führt, deklariert sie als finale.

Schlank, kurze, silberweiße Haare: So steht sie, als langhaarige, gern als rassig apostrophierte Schönheit ins Gedächtnis der Deutschen eingebrannt, da, noch immer attraktiv. Die 1942 im Kibbuz Shavi Zion geborene, in den USA lebende Sängerin hatte in den 60ern in 40 Filmen gespielt, in Hollywood neben Kirk Douglas oder als Squaw Paloma in „Old Shatterhand“. Zum Star machte sie 1970 die Übertragung des israelischen Hits „Love Song“ als „Liebeslied jener Sommernacht“.

Die dunkle Stimme war ihr Markenzeichen; die Intensität, die sie in ihre Lieder legte, stellte sie in die Nähe zum Chanson. In den Texten trat einem eine selbstbewusste Frau entgegen, die von der Liebe nicht aus naiv flehentlicher, sondern aus erfahrener, lebensbejahender Haltung heraus singt. Von den Erfolgen spielt Lavi manche, manche nicht. Einen auf den anderen zu setzen, wäre ihr wohl zu leicht. Das Repertoire folgt dem aktuellen Album „C‘est la vie – so ist das Leben“, das Neueinspielungen alter sowie fünf neue Songs enthält; darunter viele, die nicht groß herausgekommen sind.

Im Konzert trügt das, selbst wenn schwächere Nummern darunter sind: 1983, auf dem Höhepunkt der Öko- und Friedensbewegung, sang Lavi in „Mutter Erde weint“ von Waldsterben und Kriegsgefahr in derart kitschigen Bildern, dass man besser den Mantel des Vergessens darüber beließe. Der Hit „Jerusalem“ kündet von der historischen Last dieser umfehdeten Stadt. Sonst hält Lavi sich mit Stellungnahmen zum Nahostkonflikt zurück.

Eine blasse Band mit pauschalen Arrangements ändert nichts an ihrem Triumph. Keine perfekte Sängerin, aber Emphase und Persönlichkeit: Das funktioniert prächtig! Abschiedstournee? Abwarten... STEFAN MICHALZIK

Kommentare