HipHop-Konzert in der Jahrhunderthalle

Marteria rappt ganz entspannt

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Frankfurt - Es geht um einen Quantensprung im populären deutschen HipHop. Der im Berliner Stadtteil Kreuzberg lebende Rapper Marteria markiert eine Gegenposition zu den Bolzen um das Label Aggro wie Bushido und Fler und ihren „krassen“ Texten. Von Stefan Michalzik

Marteria ist die Stimme der kritisch positionierten Vernunft und der neuen, nicht so recht schweigenden mittelständischen Mehrheit. So bedächtig und emotional er sich darstellen mag: Das Konzert in der ausverkauften Jahrhunderthalle glich einer stilechten Sause. Schon der talentierte, in der Region aufgewachsene Rapper Chefket schafft souverän Partywallungen. Derweil er das Prinzip des Old-School-HipHops mit nicht mehr als den sprichwörtlichen „Two turntables and a microphone“ hochhält, fährt Marteria eine achtköpfige Band auf.

Der Mann ist integer, das spürt man. Als Typ ist Marteria, der eigentlich Marten Laciny heißt und 1982 in Rostock-Lichtenhagen geboren worden ist, einer von der unauffälligen Sorte, inzwischen gar mit leichtem Bauchansatz. Alles wirkt geschmeidig und fern der Extreme. Die Musik bedient sich stilsicher beim Electro samt neuerer Entwicklungen wie Dubstep und Grime, mal klingt Dancehallreggae an. Der Sound ist basslastig. Rap ist keine virtuose Sportart, es geschieht entspannt. Die sprichwörtliche Straße ist nicht zu spüren. Es gibt immer wieder persönlich gefärbte Balladen. „Gleich kommt Louis“, handelt von der Geburt des Sohnes - und schrammt ob eines geschickten Blicks auf die Lebenswirklichkeit an der Kitschgrenze vorbei.

Marteria in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Marteria in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Über das Machogehabe der Gangstarapper macht Marteria sich lustig. Die Show ist mit pyrotechnischen Effekten garniert. Für einige Songs verwandelt er sich in das alienhaft kostümierte, rotzig-bizarre Alter ego Marsimoto, das durch eine heliumhohe Stimme charakterisiert ist. Die Texte sind in einer ausgefuchsten Art schlicht. „Man ist nicht so alt, wie man sich fühlt, sondern so alt, wie man alt ist.“ Endlich mal hat jemand diese Spruchdummheit richtig gestellt.

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