Artistische Trommelei

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Prominenter Haudrauf: Wie ein Popstar wurde Martin Grubinger beim Konzert in Frankfurt gefeiert.

Frankfurt - Weltmeisterlich in Pflicht und Kür. So präsentierte sich Publikumsliebling Martin Grubinger in der Alten Oper. Von Klaus Ackermann

Wie maßgeschneidert schien das Konzert für Schlagzeug und Orchester des New Yorkers John Corigliano, mit dem Grubinger allein die rhythmisch gewieften hr-Sinfoniker nicht aus der Ruhe bringen konnte. Unter der Leitung des nervenstarken Venezolaners Diego Matheuz korrespondierten zudem Ravels 2. Suite aus „Daphnis und Chloé“ sowie Serge Prokofjews „Romeo und Julia“-Ballettszenen gut mit den artistischen Trommeleien.

Wie ein Popstar wird der Salzburger gefeiert, der von Anbeginn klar macht, dass die Schlagzeugerei ein schwieriges, aber auch kunstvolles Handwerk ist. Gilt es doch in „Conjurer“ des „Oscar“-Preisträgers Corigliano den typischen Klang von Holz, Metall und Fell (so die Titel der einzelnen Sätze) konzertant zu erforschen.

Dynamischer Ablauf

Schon in der Kadenz (jeweils vorab) bringt Grubinger den tropfenartigen Ton des Holzblocks ebenso virtuos zur Geltung wie das Hell-Dunkel des Xylophons. Wobei sich die improvisatorischen Anteile nur schwer abschätzen lassen, das Streichorchester ist gleichermaßen rhythmischer Antreiber und Stichwortgebert. Per sportlichen Zwischenspurt erreicht der Solist sein metallenes Instrumentarium, in Glockentönen den langsamen Mittelsatz beschwörend, eine dramatisch verdichtete Trauermusik auf dem angelegentlich von fünf Klöppeln bedientem Vibraphon.

Nach dynamischem Trommelwirbel auf dem Conga-Fass lässt ein langgezogener Streicherton Grubinger Zeit, die hinter dem hr-Sinfonieorchester platzierte Pauken-Batterie zu erklimmen. Flageolett-Gemurmel der Streicher, dazu der dumpfe Klang der mächtigen Pauke. Raffiniert die Rhythmen auf kleiner und großer Trommel, sich in harten Schlägen entladend. Spieltechnisch tückisch die Generalpause als Spannungsmoment. Nach diesem durchweg tonal gehaltenen, rhythmisch hinreißend aufgezäumten Konzert geizt Grubinger in der Zugabe auch nicht mit zirzensischen Schlenkern.

Diego Matheuz dirigiert

Dass bei solch enervierenden Trommel-Gewittern der konzertante Rahmen nicht verblasste, davor stand Diego Matheuz’ elegantes, aber wohltuend sachliches Dirigat, in Ravels „Daphnis und Chloé“ zwingend die melodiösen Ströme kanalisierend und bei hochkarätigem Querflötenspiel.

Das tragische Ende des unsterblichen Liebespaars nimmt Prokofjew in einer Art Requiem vorweg, die dunkle Trauermusik mit schmerzlich schrägen Akkorden unterbrechend. Vor allem in den charaktervollen Portraits lockt Matheuz auch melodische Süße im hart tönenden Trauermarsch mit steilen dynamischen Anstiegen. Lange Stille nach dem bewegenden „Julias Tod“. Dann erst lässt der junge Dirigent Beifall zu.

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