Maskenball à la Hollywood

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CD-Cover „Swan Songs“ der Gruppe „Hollywood Undead“

Hollywood ist bekannt für seine Masken. Schauspieler geben in Filmen vor etwas zu sein, was sie im echten Leben nie im Stande wären zu leisten. Schönheitsoperationen machen aus Gesichtern Fratzen und lassen manchmal nur noch an Hals und Händen das tatsächliche Alter erkennen. Von Holger Strehl

Bandmitglieder

  • Deuce
  • Johnny 3 Tears
  • J-Dog
  • Charlie Scene
  • Funny Man
  • Da Kurlzz

Neben all den falschen Statussymbolen, dem Luxus und dem Glamour zeigt sich Los Angeles als ambivalente Großstadt. Obdachlose ziehen durch die Straßen und der Schmutz in Downtown ist ebenso wenig von der Hand zu weisen. Zwischen Traumfabrik und Alltagsernüchterung wachsen die Freunde Charlie Scene, Johnny 3 Tears, J-Dog, Da Kurlzz, Deuce und Funny Man auf. Mehr aus einer Laune heraus (und während einer Bierpause) landen erste Songfetzen im Netz. Diese erfreuen sich solch wachsender Beliebtheit, daß „Hollywood Undead“ das Licht der Welt erblickt. MySpace fungiert dabei wieder als leistungsstarker Karrieremotor und schnell kann man auf 7-stellige Zugriffszahlen zurückblicken. Das musikalische Konzept legt sich dabei ungern fest und springt zwischen Rap(core), Nu Metal, Emo, Hip Hop und einer Spur (Piano)Bombast umher. Inhaltlich folgt man einer klareren Linie und thematisiert „gehaltvolle“ Geschichten über Sex, Drogen, Alkoholexzesse und Frauen (auch wenn sie eher selten als solche bezeichnet werden).

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Nicht umsonst prangert plakativ das „Parental advisory“ Logo auf dem Frontcover ihres Debütalbums. Diese Jungs mögen es unanständig und verstecken sich deswegen gleich hinter Hockeymasken. Dahinter liegt natürlich keinerlei Methode oder Berechnung, sondern der pure Umstand die Menschen auf das Wesentliche - ihre Musik - zu fokussieren. Doch Ironie beiseite. „Undead“ zeigt sich als gelungener Einstieg und verarbeitet aktuell beliebte Elektronikelemente mit Rapvocals, Shouts und zünftigen Gitarrenriffs. Nicht nur live sollte die Nummer Menschen in kollektive Hüpf-/Tanzeuphorie versetzen. In der Folge tänzelt man um Formationen wie “Linkin Park“, „Limp Bizkit“ oder „Pillar“ herum, kopiert aber auch gerne mal Eure Rap-Eminenz Marshall Bruce Mathers III a.k.a. Eminem im Sprechgesang. Insbesondere bei der Single „Everywhere I go“ oder „Black Dahlia“ vernimmt man doch deutliche Ähnlichkeiten.

Was bietet das Album noch?

Trackliste:

  1. Undead
  2. Sell your soul
  3. Everywhere I go
  4. No other place
  5. No. 5
  6. Young
  7. Black Dahlia
  8. This love, this hate
  9. Bottle and a gun
  10. California
  11. City
  12. The diary
  13. Pimpin'
  14. Paradise lost

„Swan songs“ ist ein Partyalbum – mehr möchte es gar nicht sein. Und vielleicht liegt auch gerade darin der Erfolg von „Hollywood Undead“ begründet. Mit ihrer Mischung aus Provokation, flegelhaftem Verhalten und eingängigen Songstrukturen treffen sie den Geschmack einer Generation, die Zitaten wie „Everywhere I go, bitches always know, that Charlie Scene has got a weenie that he loves to show” oder „When I start drinking, my dick does all my thinking” einiges an Lebensweisheit abgewinnen können. Losgelöst vom inhaltlichen Vakuum hat es seine guten (Sell your soul / Young / This love, this hate / City) und schlechten Momente (No. 5 / California) und platziert sich deswegen auch im unauffälligen Mittelfeld. Partysongs hält es aber allemal bereit.

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