Mathematik geht nicht immer auf

Frankfurt - Talente haben es heutzutage in Deutschland nicht gerade leicht. Sie müssen sich zwischen dem jeweiligen Sieger irgendeines TV-Castings, nur als Wegwerfprodukte geplanten Projekten und mehr oder minder starker internationaler Konkurrenz behaupten. Von Ferdinand Rathke

Auch Anna Depenbusch, Sängerin und Komponistin aus Hamburg, machte diese Erfahrung, als sie 2005 mit Album „Ins Gesicht“ debütierte und schlicht auf der Strecke blieb. Dass die 33 Jahre alte brünette Liedermacherin im Mozartsaal der Frankfurter Alten Oper ein fast ausverkauftes Gastspiel absolvieren darf, hat sie weniger ihrem tatsächlich vorhandenen Talent als glücklichen Fügungen zu verdanken.

Mit selbstgeschriebenen Songs wie dem neckischen Liebesreigen „Tim liebt Tina“, dem gut gemeinten Hinweis an die Freundin in „Monoton“, sie möge einfach mal schweigen statt permanent zu plappern, oder der melancholischen Ode „Kommando Untergang“ unterstreicht Depenbusch facettenreich ihr Ausnahmetalent, unterstützt von vier versierten Begleitern. Doch besetzt sie in der deutschen Pop-Landschaft in etwa gleiches Terrain wie die Kolleginnen Annett Louisan und Ina Müller, die ebenfalls bei 105 Music eine musikalische Heimat fanden und den stilistischen Rundumschlag pflegen. Ein Dilemma, auch wenn jede der drei Damen Einzigartigkeit ausstrahlt.

Gewiss, die vor allem von Louisan dominierte Sparte „Junge Frau mit zweideutiger Reimbrillanz in pfiffigem Chansonrahmen“ kann zwei, drei weitere Beispiele verkraften. Schließlich besitzt Anna Depenbusch genügend Charme, Ausstrahlungskraft und Eigenständigkeit, um sich von den Kolleginnen abzuheben. Doch vor allem Songs mit angezogenem Rhythmus wie „Glücklich in Berlin“, „Wir sind Hollywood“ oder „Tanz mit mir (Haifischbarpolka)“, gleich ob sie Pop, Rock, Blues, Folk, Chanson und manch weitere Torheit wie einen angedeuteten Reggae aufgreifen, klingen doch wie zu oft gehört. Da geht „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ einfach nicht auf...

Rubriklistenbild: © dpa

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