Medina im Offenbacher Capitol

Pop-Olymp im Visier

+
Europäischer Entwurf einer R’n’B-Diva: Andrea Fuentealba Valbak alias Medina.

Offenbach - Medina will offenkundig den Pop-Olymp erobern. Der in ihrer Heimat bereits mit mehreren Nummer-eins-Positionen in den Charts erfolgreichen dänischen Sängerin haftet der Vergleich mit Lady Gaga an, in deren Vorprogramm sie schon aufgetreten ist. Von Stefan Michalzik

Gut kann der ihr nicht tun, denn mit einer derartigen Großmeisterin der popkulturellen Inszenierungspraxis lässt sich nun einmal nicht so ohne weiteres konkurrieren.

Was die musikalische Seite anlangt, ist bei der als Andrea Fuentealba Valbak 1982 aus der Verbindung eines chilenischen Musikers und einer dänischen Mutter hervorgegangen Sängerin, die mit ihrem bereits zweiten englischsprachigen Album „Forever“ auch auf eine internationale Karriere setzt, alles auf die totale Kompatibilität mit einem Mainstreampublikum hin angelegt.

Bleibt allerdings dann doch arg blass

Medina, die mit ihrer Band im Offenbacher Capitol gastierte, markiert gleichsam den Versuch einer europäischen R’n’B-Diva. Die Körperpolitik ist freilich nicht auf die genreübliche offensive Drallheit mit Nähe zur Pornofantasie hin ausgerichtet. Die Sexyness des perfekt schlank gestylten Körpers ist von einer zurückhaltenden Art. Medina will sichtlich eher auf Persönlichkeit denn auf Attitüde setzen.

Dabei allerdings bleibt sie dann doch arg blass. „Having much fun“, gibt sie gleich zu Beginn als eine Art künstlerisches Credo für ihre Show aus. Man hat schnell den Eindruck, dass es hier in jeder Hinsicht um Pflichterfüllung im Sinne einer Ausrichtung auf einen totalen Kommerz geht. Platz für Gefühle in Balladen beispielsweise scheint da vor allem deshalb zu sein, weil derlei nun einmal dazu gehört. Vor allem aber wird seitens der Produzenten in einem ungehemmt eklektizistischen Zugriff gleichermaßen das Erbe von House wie auch die Errungenschaften der Elektropop-Avantgarde geplündert, im Sinne einer sorgfältig angerührten Pop-Brause. An Eigensinnigkeit indes ermangelt es diesem Produkt.

Ungeschickt gemacht ist das alles auf seine Weise durchaus nicht, aber dann doch eben zu offensichtlich kalkuliert. Kalkuliert sind zwar auch die Hervorbringungen von Madonna, Rihanna & Co. Das gehört schließlich zum Wesenskern der Popmusik. Bei Medina aber vermittelt sich das Gefühl, sie müsse sich noch freischwimmen. Von der Pflicht zur Kür gelangen. Einstweilen jedenfalls verbreitet sie nicht den Glanz, der von ihren Vorbildern ausgeht.

Kommentare