Scott Matthews wird im Frankfurter Mousonturm seinem Ruf als große Pop-Stimme gerecht

Meisterliches Spiel der Gegensätze

Der aus Australien stammende, seit über einem Jahrzehnt aber in New York lebende Sänger Scott Matthew hat es im Spiel mit den Gegensätzen zu früher Meisterschaft gebracht. Wenn er in seinen Liedern klagt und barmt, dann ohne jedes Selbstmitleid, und wenn er jubiliert, dann ohne Pose.

Dieser Ungekünsteltheit wegen kann es sich Matthew auch erlauben, ein Album mit dem bandwurmartigen Titel „There is an ocean that divides and with my longing I can charge it with a voltage that's so violent to cross it could mean death“ zu versehen, ohne gleich als anmaßend zu gelten. Nicht Prätention, sondern Stolz auf die Dichtung ließ ihn diese Zeilen für seine vor wenigen Wochen veröffentlichte zweite Platte wählen, mit der er nicht nur poetisch, sondern auch musikalisch in die Vollen ging.

Die opulenten Arrangements mit Streichern, Trompete, Horn und Percussion sind in kleiner Besetzung mit vier Musikern auf der Bühne zwar nicht zu spielen, doch Matthew braucht gar kein Orchester im Rücken, um seine Lieder mit Grandezza vorzutragen. Bei seinem sehr gut besuchten Konzert im Mousonturm genügten Piano, Bass, Cello, Ukulele und Gitarre, um Matthews beseelte Gesänge zu großen Liedern zu formen, die – zumindest momentan – zum Besten gehören, was auf dem Popmarkt zu hören ist.

Matthews voluminöse Stimme, die manchmal an den frühen David Bowie, dann an Antony & The Johnsons, vor allem aber an Ex-Talk-Talk-Sänger Mark Hollis denken lässt, konnte beim Frankfurter Konzert von einer Sekunde auf die andere immense Dringlichkeit oder zartes Gefühl ausdrücken, um dann zwischen den Liedern freundliches Geplauder zu transportieren, das dem hinter einem dunklen Vollbart versteckten und deshalb scheu wirkenden Schlaks kaum jemand zugetraut hätte.

Zwischen Kammerfolk und Kunstlied angesiedelte Balladen wie „White Horse“ oder „Every Travelled Road“ sind nur die eine Seite des Scott Matthew, der sich genauso gut auf eine beschwingte, fast schon an die Leichtigkeit eines Burt Bacharach erinnernde Bar-Nummer wie „Thistle“ versteht. Als hätte es eines letzten Beweises bedurft, welch bemerkenswerter Sänger der New Yorker tatsächlich ist, glänzte er zum Abschluss des gut anderthalbstündigen Konzerts bei mehreren Zugaben auch noch als Interpret fremden Materials. Cover-Versionen von Liedern seiner Lieblingsband The Smiths, von Kris Kristofferson und Neil Young ließen das Juwel Scott Matthew in allen Facetten schimmern. (isi)

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