Müller-Schott, Ashkenazy und Glemser auf Johannisberg

Melancholie und Frische

Komponierte Melancholie kann sich idealerweise mit interpretatorischer Frische und Vitalität verbinden: So jedenfalls war es bei einem Kammermusikabend des Rheingau Musik Festivals zu erleben.

Mit der Klarinettensonate von Francis Poulenc sowie dem Trio a-Moll op. 114 von Johannes Brahms standen Spätwerke im Mittelpunkt des Konzerts von Klarinettist Dimitri Ashkenazy, Daniel Müller-Schott (Violoncello) und Pianist Bernd Glemser auf Schloss Johannisberg.

Als Einstieg erklang Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violoncello A-Dur op. 69. Müller-Schott, der unlängst im Wiesbadener Kurhaus ein Cellokonzert Joseph Haydns mit viel Überschwang und Spontaneität gespielt hatte, wirkte in seiner Beethoven-Interpretation ausgeglichener, kontrollierter. Höchst lebendig klang seine Sicht trotzdem, wenn auch mit einer Tendenz, eigentlich im Piano zu haltende, bei gedecktem Klang eilige und somit feinnervige Passagen im satten und breiten Forte auszuspielen. In dieser Hinsicht subtiler fiel Dimitri Ashkenazys Interpretation von Poulencs Sonate für Klarinette und Klavier aus, erst nach dem Tod des Komponisten vom Widmungsträger Benny Goodman uraufgeführt. Ashkenazy bevorzugte einen warmen, runden und kultivierten Ton gegenüber zu großen, hier gleichwohl denkbaren direkten Schärfen: Gestochen genau seine Intonation, selbst in den schnellen, wie auf der Stelle tretenden Auf- und Ab-Bewegungen im nachdenklichen Mittelteil des ersten Satzes.

Im Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello a-Moll op. 114 von Johannes Brahms schien das heimliche Zentrum der Aufführung Bernd Glemsers Klavierpart zu sein, der in seiner Prägnanz deutlich koordinierend in dieser abgeklärten, aber nie bloß routinierten Wiedergabe wirkte. Als Zugabe erklang der mittlere Satz aus Ludwig van Beethovens „Gassenhauer“-Trio B-Dur op. 11.

AXEL ZIBULSKI

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