Melody Gardot in der Alten Oper

Reife Jazz-Ikone jung an Jahren

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Melody Gardot

Frankfurt - Stärker könnte der Kontrast kaum sein. Im Vorprogramm betört die Portugiesin Luísa Sobral das Publikum in der Alten Oper durch hinreißende Offenheit, danach verströmt Melody Gardot eine Aura der Unnahbarkeit. Von Anke Steinfadt

Mit akzentuiert heller Stimme trägt Luísa Sobral, begleitet von einem Kontrabassisten, jazzbeeinflusste Singer-Songwriter-Perlen vor. Wenn sie Anekdoten aus ihrem Leben erzählt, lachen ihr die Herzen entgegen. Ein Höhepunkt ist die eigensinnige und humorvolle Interpretation von Britney Spears’ „Toxic“. Die 25-Jährige, deren Album „The Cherry On My Cake“ demnächst in Deutschland erscheint, erhält riesigen Applaus. So wird ein „Support“ zum „Event“.

Dann erscheint sie: Die kaum zwei Jahre ältere, hoch gelobte Amerikanerin Melody Gardot. Aus dem Dunkel tritt sie in einen grellen Scheinwerferkegel und verströmt eine Aura der Unnahbarkeit. Sie trägt einen Turban, Sonnenbrille und ein mehrlagiges braunes Gewand. Ein Kostüm wie eine Verhüllung. Künstlich wirkt auch die Bühnendekoration aus (fabrikneuen) Jute-Säcken sowie Koffern und Holzkisten, die den weltmusikalischen Aspekt des aktuellen Albums „The Absence“ unterstreichen sollen.

Musikalische Globetrotterin

Hat die virtuose Sängerin auf ihren ersten beiden Alben eine luftige Melange aus Jazz und Pop geboten, ist sie nun in die Rolle der musikalischen Globetrotterin geschlüpft. Mit ihrer glasklaren, zugleich zärtlich einschmeichelnden Stimme nimmt sie das Publikum mit auf eine Reise, auf der sich amerikanischer Jazz mit portugiesischem Fado, spanischem Flamenco, brasilianischer Samba und französischem Chanson vermischen. Leise und melancholische Töne überwiegen. Gardot wechselt zwischen Mikrofon, Klavier und Gitarre.

So anbetungswürdig der Gesang, so perfekt arrangiert die Stücke und so meisterlich die Begleitmusiker auch sein mögen, dem Auftritt fehlt es an Lebendigkeit, Herz und Authentizität. Manieriert wirken die Gesten – schlängelnde Armbewegungen, das erhobene Weinglas, aus dem sie nie trinkt, die gestelzte Art der Ansagen. Auf der Bühne gibt die 28-Jährige eine reife Jazz-Ikone. Mit Interpretationen der Standards „Summertime“ und „Fever“ endet die musikalische Reise in großem Beifall.

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