Zukunftsmusik ist von gestern

Offenbach - Klangmächtig präsentiert sich diese Musik, reichlich Hall ist im Spiel. Ein Wall of Sound, instrumental, hergestellt mit nicht mehr als Gitarre, Bass und Schlagzeug. Vereinzelt kommt ein Sample ins Spiel, meist als Einleitung. Von Stefan Michalzik

Das australische Trio Meniscus, das im Offenbacher Hafen 2 gastierte, knüpft unverkennbar an den Postrock an, jenes auf die frühen neunziger Jahre zurückgehende Genre, mit dem der Rock endgültig in den Dinosaurierstatus verabschiedet werden sollte – derweil man ein paar Jahre später eines Besseren belehrt wurde.

Die einstige „Zukunftsmusik“ ist natürlich längst von gestern. Was seinerzeit weit vorn gewesen ist, droht retro zu wirken, wenn sich eine junge Band darauf bezieht. Genau so verhält es sich im Falle von Meniscus. Eine spielerisch-produktive Neuerfindung gelingt nicht. Das Trio um Gitarrist Daniel Oreskovic, Bassistin Alison Kerjean und Cameron Brennan am Schlagzeug zieht seine Klangwände zuverlässig hoch; es vermag aber nicht zu überraschen; die improvisatorische, träge schleppende Musik ist garantiert hundert Prozent innovationsfrei. An und für sich ist in diesen Texturen alles eins, gleichwohl ist die Gitarre etwas stärker exponiert. Das ist keine Bizeps-, sondern in erster Linie eine Hirnmusik, mit einem körperlichen Groove freilich.

Kein eigenständiges Profil

Bildmischer Martin Wong ist gleichsam das vierte Bandmitglied. Mit einem gehörigen Geschick reiht er faszinierende Sequenzen aus Tierfilmen und der Raumfahrt in schnellen Schnitten. Das wirkt so simpel wie triftig, die Bilder vermögen das Auge zu fesseln, in einer wunderbaren Harmonie des gelenkten Zufalls mit der Musik.

Speziell Daniel Oreskovic legt sich schwer ins Zeug: Er sinkt mehrfach hingebungsvoll mit der Gitarre auf die Knie, verschwindet zeitweilig hinter dem Korpus des Instruments und manipuliert derweil weiter die reichlich in Anwendung gebrachten Effektgeräte. Diese exzessiven Showgesten amüsieren, sind aber nicht ohne Reiz. Meniscus sind zwar für einen süffigen Konzertabend gut, ein eigenständiges Profil haben sie jedoch noch nicht zu entwickeln vermocht.

Rubriklistenbild: © Rafiki/ pixelio.de

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