Mensch an der Maschine

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Pat Metheny, der Mann an der Gitarre, tourt mit einem riesigen Instrumentarium, das die Kulisse seiner Konzerte bildet.

Augen zu. Was ist zu hören? Eine melodiöse Musik auf Basis des Fusionjazz. Sie klingt mal kammermusikalisch intim, dann wieder enorm breitwandig. Das Zentrum bildet meist die akustische Gitarre, einmal ein Gitarrensynthesizer. Die Läufe sind so schnell wie leichtfüßig. Von Stefan Michalzik

Sie lassen die Schulung an Großmeistern wie Wes Montgomery erkennen. Viele Stücke sind von kontemplativem Charakter. Entspannt ist die Haltung selbst in lauten Nummern. Die Musik ist improvisatorisch geprägt, steht unter dem Primat sanftmütiger Melodiosität.

Ein ganz normales Pat-Metheny-Konzert? Streng musikalisch betrachtet auf jeden Fall. Es passiert nichts Unerwartetes. Freilich ist der amerikanische Gitarrist, der im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper gastierte, derzeit mit einem Orchestrion auf Reisen. Es handelt sich um eine Nachempfindung des im Zuge der Mechanisierung und Industrialisierung Ende im 19. Jahrhundert entwickelten Selbstspielers, der mit dem Aufkommen der Tonaufzeichnung um die Wende zum 20. Jahrhundert wieder überflüssig geworden war. Um die 25 Instrumente, aufgetürmt zu einer gewaltigen Kulisse, steuert Metheny über Gitarren und Fußpedale mittels Computer- und Robotertechnik. Neben Klavier, Gitarren und Bass handelt es sich vorwiegend um Perkussion.

Der ewig jugendliche 55-jährige, der ob seines Hangs zum Weichzeichner bei vielen Jazzfans nicht wohlgelitten ist, seit seinen Anfängen Mitte der 70er Jahre aber ein für Jazzer sehr großes Publikum erreicht, erprobt sich immer wieder in neuen musikalischen Begegnungen, von Ornette Coleman und Charlie Haden bis zu Schritten in Richtung der sogenannten Weltmusik. Doch letztlich bleibt er immer bei sich und fügt seinem ausgebildeten Formenfundus allenfalls erweiternde Varianten hinzu.

Die Aufgabe der Koordinierung des Orchestrions, in der sich Dirigent und Instrumentalist vereinen, mag technisch anspruchsvoll sein. Ihr allein aber ist noch kein künstlerischer Eigenwert beizumessen. Es zählt, was zu hören ist, nicht der Schweiß des Musikers. Das aber klingt nicht anders als eine Pat-Metheny-CD, die mit Mehrspurtechnik im Alleingang aufgenommen worden ist. Fans können sich bei diesem Konzert, das Metheny mit einigen reinen Sologitarrenstücken eröffnet hat, solide bedient fühlen. Die Attraktion des Orchestrions freilich ist vor allem eine zirzensische.

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