Al Di Meola spielt „Beatles & More“

Mann mit dem schnellen Zupf

Wiesbaden - Auf der Gitarre ist er einer der Schnellsten. Und einer der Originellsten, wie das Rheingau-Konzert des US-Jazzers Al Di Meola im ausverkauften Wiesbadener Kurhaus offenbarte, das mit „Beatles & More“ die programmatische Richtung angab. Von Klaus Ackermann 

Stehen doch die legendären Fab Four bei seinem neuen Album Pate, deren unsterbliche Lieder sich der Fusion-Mann jazzig anverwandelt, ohne ihnen Gewalt anzutun. Dafür bürgen neben Di Meola nicht nur der kongeniale Gitarrist Kevin Seddiki und Schlagzeuger Peter Kaszas, sondern auch ein leibhaftiges Streichquartett.

Ein paar alte Titel, ein paar neue aus „All Your Life – A Tribute To The Beatles“ – beim nun schon 60-Jährigen bedarf es keiner großen Worte. Da lässt er lieber seine Gitarre sprechen, der anfangs allein auf der Bühne vor sich hin zu präludieren scheint, spontan eine auch rhythmisch tragfähige Phrase findend, die er mit seinen Mitstreitern durch die Tonleitern jagt und improvisatorisch so pointiert, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Ähnlich hält es die Jazz-Legende aus New Jersey mit den Beatles-Evergreens, deren Melodien er sich instrumental auf Seitenwegen nähert, um sie mit schier überbordender Phantasie in eine Jazzsession einzubringen, bei der es keineswegs prüde zugeht.

Bizarre, heftig angerissene Achtelnoten, schneidende Rockphrasen afrokubanische Rhythmen und ein modifizierter E-Gitarren-Klang, der von Orgeltönen ummantelt scheint, schüren die Spannung. Überhaupt wirkt alles wie gerade erfunden. Bei auch harmonisch traumhaftem Zusammenwirken der beiden Gitarristen, als seien sie eineiige Zwillinge. Während der Drummer mal robust, mal dezent für enervierenden Rhythmus sorgt.

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Das stillvergnügte Streichquartett setzt zudem rhythmische Akzente und weist feinfühlig in Beatles-Klangwelten. Etwa in so bekannten Titeln wie „Blackbird“ oder „And I Love You“, aber auch in dem gefühlvollen „Eleonor Rigby“ oder in der Zugabe „She’s Leaving Home“. Dann steuert Al Di Meola noch auf spanischen Gitarrenkurs, an das legendäre Album „Friday Night in San Francisco“ mit Paco de Lucia und John McLaughlin erinnernd – bei ungezähmter Virtuosität. Würde der Jazzer nach der Anzahl seiner Töne honoriert, wäre er unbezahlbar …

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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