Chris Rea in der Frankfurter Festhalle

Messe für den Blues

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Unterwegs auf düsteren Pfaden: Chris Rea knüpft an frühe Zeiten an.

Frankfurt - Der Blues, die Slide-Gitarre und Straßen, immer wieder sinistre Straßen. Reibeisen-Stimme Chris Rea hat den Highway zur Hölle gottlob überlebt und liest in der Festhalle eine Blues-Messe, die auch B. B. King gut zu Gesicht gestanden hätte. Von Peter Müller 

Wenn sie nicht ganz so tiefmelancholisch geraten wäre. Aber der wortkarge Schmerzensmann hat gute Gründe, auf seiner „Last Open Road Tour“ nicht den berufsfröhlichen Pop-Opa zu spielen. Vor acht Jahren, war für ihn die Fahrt eigentlich zu Ende. Damals musste sich der beängstigend abgemagerte 55-Jährige im Olympia Theatre Dublin von der Bühne verabschieden. Weil er „im falschen Körper steckte“ - nachdem der Bauchspeicheldrüsenkrebs ihn aufs Krankenlager gezwungen hatte. 2010 trieb ihn dann, leidlich gesundet, der „beste Job der Welt“ zurück auf die Bühne.

Und nun steht Chris Rea, 63, zwischen selbst entworfenen blauen Papp-Gitarren, die wie überreife Birnen von der Decke baumeln, vor geschätzt 3 000 Fans in der Festhalle und knallt mit „The Last Open Road“ ein Eröffnungsstück zum Niederknien ins Rund. Der Bart ist schlohweiß, sein rauer Bariton aber klingt so kraftvoll wie seit Ewigkeiten nicht mehr.

Die Stimmung im Saal: irgendwo zwischen Andacht und noch mühsam eingebremster Begeisterung. Viele Fans aus der Babyboomer-Generation sind da versammelt, Mittfünfziger, die noch das grandiose Debüt „Whatever happened to Benny Santini“ (1978) im Plattenschrank hüten. Wohin die Reise an diesem Abend geht, macht Rea dann spätestens mit dem programmatischen „Where The Blues Come From“ klar. Hinter ihm wartet ein ganzes Arsenal von Stratocaster-Slidegitarren (mittendrin: die berühmte „Pinky“) darauf, mit dem Bottleneck bearbeitet zu werden. Das tut er denn auch mit Verve. Chris Rea hat seinen Sound vom Pop befreit. Vielleicht ist er damit - und mit großartig entschleunigten Versionen von „Stony Road“, „Somewhere Between Highway 61 & 49“ oder „Come So Far, Yet Still So Far To Go“ - so nahe an Clapton wie nie zuvor.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Ein paar Scheinwerfer, ein bisschen Roadmovie per Videoscreen, ein paar abstrakte Bilder, die er während der Rekonvaleszenz gemalt hat - das muss genügen. Denn da ist auch eine vierköpfige Band um Keyboarder Neil Drinkwater, die zwischen den epischen Slide-Soli ihres Chefs ebenfalls glänzen darf. Zwischendurch Zeitlupen-Reggae mit „Josephine“ und „Julia“, zwei Rea-Evergreens, dereinst für die Töchter geschrieben und heute die Gelegenheit für den Papa, kurios anzuschauende Tanz-Trippelschritte zu wagen - bevor es wieder gen „Road To Hell“ geht. Immerhin, Zur Zugabe hat er auch ein bisschen Frieden im Gepäck: „On The Beach“ und „Let’s Dance“.

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