Michael Bublé in der Frankfurter Festhalle

Herzen aus der Konfetti-Kanone

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Romantiker mit Sinn für Ironie: Michael Bublé

Frankfurt - Leise weht die Melodie von „I Will Always Love You“ durch die Frankfurter Festhalle, gespielt von einem Pianisten auf der Bühne. Ein Rücken, breit wie ein Schrank, versperrt die Sicht auf den eigentlichen Star des Abends: Michael Bublé. Von Sonja Achenbach

Der Strich eines Edding-Stifts in seinem Gesicht stört die Konzentration des kanadischen Entertainers. Bei einer spontanen Autogrammstunde vor der Bühne ist er wohl etwas zu schwungvoll am Werk gewesen. So muss der Bodyguard einschreiten und Bublé von dem Strich befreien. „Eigentlich sind wir beiden wie Whitney Houston und Kevin Costner im Film Bodyguard“, scherzt der bestens gelaunte Sänger. Die Plätze der Arena sind mit rund 6500 verkauften Tickets nicht ganz ausverkauft.

Schon seit Anfang des Jahres ist der Sänger auf seiner „To be loved“-Welttournee unterwegs. Der Kanadier liefert seinem verzückten Publikum auch an diesem Abend eine Mischung aus alten und neuen Hits. Dabei covert er auch Stücke der Bee Gees, von Frank Sinatra oder Daft Punkt. Dabei gelingt ihm eine Gratwanderung. Einerseits liefert er erwartungsgemäß gefühlige Atmosphäre, auf der anderen Seite nimmt er seinem Programm den Schwermut, indem er sein Image immer wieder auf die Schippe nimmt. „Das ist eines der romantischsten Lieder, das ich kenne“, verkündet er seinem Publikum an einer Stelle. Mit den Worten, dass es der Song seiner Großeltern war, steht er auf und rockt die Bühne mit ein paar Zeilen von „Everybody“ - das Stück der Backstreet Boys ist zwar erst 17 Jahre alt, aber für den smarten Jungspund sind das Welten.

Treue Bublé-Fans kennen das Programm bereits und stürmen an einem Punkt sogar von den oberen Rängen in den Innenraum. Der Sänger verlässt die Hauptbühne und geht durch die Stuhlreihen. Bis er die Treppe zur zweiten Bühne erreicht, hat er viele Fans schon mit einem Händedruck oder einem kurzen Blick in die Handykamera beglückt. Auf dem kleinen Rund der zusätzlichen Bühne am anderen Ende des Saals haben die sieben Sänger von „Naturally 7“, die den Abend als Vorgruppe eröffneten, erneut Aufstellung genommen. Damit auch die Zuschauer in den hinteren Rängen die Chance bekommen, ihrem Star ganz nah zu sein, präsentieren sie dort gemeinsam drei Songs. Der zuvor als Gesichtsreiniger aufgetretene Bodyguard hat mit seinem Kollegen alle Hände voll zu tun, die Fans im Zaum zu halten. Bublé stört das wenig. Er greift sich kurzerhand das Smartphone einer jungen Frau und filmt sich selbst.

Bilder vom Konzert in der Festhalle

Michael Bublé in der Festhalle Frankfurt

Es gibt aber einen Punkt im Programm, an dem die angenehme Stimmung in Schmalz ertrinkt: Während des Covers „All You Need Is Love“ von den Beatles schießen sechs Konfetti-Kanonen tausende rote und weiße Herzen in den Zuschauerraum.

Am Ende der allerletzten Zugabe, „A Song For You“ von Julie London, überrascht er sein ekstatisches Publikum mit einer solistischen Gesangseinlage ohne Mikro und beweist, welch starke Stimme er hat. Einen Abend wie ein erstes Date hat der Entertainer zu Beginn versprochen: „Erst viel Romantik und Zärtlichkeit, am Ende werden wir dann schmutzigen Sex miteinander haben.“ Es ist nicht zum Äußersten gekommen, aber einen gelungenen Flirt wird ihm niemand absprechen können.

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