Romantisches von vielen Saiten

Frankfurt - Seit 20 Jahren ist die Kronberg Academy eine Solisten-Schmiede besonderer Art. Wird hier doch alljährlich in Meisterkursen der Nachwuchs von international renommierten Instrumentalisten auf Violoncello, Bratsche und Geige eingeschworen. Von Klaus Ackermann

Grund genug für 29 Geburtstagskonzerte von Absolventen und Lehrenden, dessen Nr. 13 Romantisches in vielen Facetten in die Alte Oper brachte. Max Bruch, Ernest Bloch und Dvorak gaben Grund zum Staunen: Über die gestalterische Intensität eine Mischa Maiskys wie über die Nervenstärke des jungen Dai Miyata, der beim berühmten Cellokonzert von Dvorak die erkrankte Natalia Gutman vertrat. Auch über die akribische Begleitung der von Christian Poppen dirigierten Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, immer dicht am klanglichen Geschehen.

Schon beim Einstieg, Bruchs Doppelkonzert e-Moll, strahlt die „Blaue Blume“ der Romantik in edler Pracht, dank Antje Weithaas (Violine) und Nils Mönkemeyer (Viola), die aus dem schwerblütigen, nordisch anmutenden Thema immer neue melodische Fäden ziehen. Selbst das von Streicher-Pizzicati unterlegte Tänzchen mündet in ein nachdenkliches Gespräch der beiden Solisten, die auf gleicher Atemkurve gestalten. Im Schluss-Allegro signalisieren Trompeten eine Steigerung der orchestralen Mittel, das feingliedrige Dur-Thema wird virtuos solistisch aufgefächert. Hochspannung also - bis hin zum bewussten Innehalten vor dem effektvollen Basta-Schluss.

Auch Ernest Blochs (1880-1959) „Hebräische Rhapsodie“ für Violoncello und Orchester ist eine konzertante Rarität, in der Solist Mischa Maisky einmal mehr Herzblut vergießt. Der gebürtige Schweizer Bloch, der Komposition unter anderem am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt studierte, hat die traditionelle jüdische Musik mit ihrer Pentatonik und dem Kreiseln um einen Zentralton in impressionistisch anmutendes klangliches Neuland überführt. Mit einem Solisten, der das bittersüße Moll wie improvisatorisch weiterentwickelt. Maischky ist hier ein große Energien freisetzender Vorspieler, der den Filmmusik-Charakter der Rhapsodie vergessen macht. „Kein romantisches Konzert ohne Bach“, sagt der lettische Weltklasse-Solist augenzwinkernd – und schickt eine tief empfundene Sarabande des barocken Übervaters nach.

Nach dem stets wie unter Starkstrom stehenden Maischky das Cello-Podest zu erklimmen, dazu gehört viel Mut und Selbstbewusstsein. Der junge Japaner Dai Miyata offenbart das schon beim Einstieg ins trotzig wirkende Moll des berühmten Dvorak-Konzerts, ein ebenso engagiert wie couragiert aufspielender Solist. Und ein Wunder an Präzision in den virtuosen Passagen des melodiösen Reigens, der das Heimweh des in New York gastierenden Böhmen Dvorak manifestiert.

Dai Miyatai, der an gestalterischer Gelassenheit sicher noch zulegen wird, kann sich dabei auf ein gefühlvoll sekundierendes Radio-Orchester verlassen, dessen Holzbläser manch seelenvolle Kantilene beisteuern. Wieder einmal hat ein Einspringer seine Chance genutzt.

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