Miss Anthropy im Hafen 2

Offenbach - Das an sich zutiefst provinzielle britische Seebad Bristol hat sich Mitte der 1990er Jahre mit dem TripHop in die popmusikalische Weltkarte eingeschrieben. Von Stefan Michalzik

Bands wie Massive Attack und Portishead hatten nach dem Flächenbrand von Techno und House die elektronische Denk- und Produktionsweise aufgegriffen. Auf der Grundlage schleppender Beats haben sie fette Bässe und pompöse Streicherarrangements zu Konstrukten von irisierender Sprödigkeit gefügt, mit Vorliebe um ätherische Frauenstimmen herum.

Die Mitglieder des aus Bristol stammenden Trios Miss Anthropy, das auf die letzten Tage am alten Ort vor dem Umzug im Offenbacher Hafen 2 gastierte, befanden sich zur Hochphase des TripHops gerade mal im Kindesalter. Wie etliche aus Bristol kommende Bands in den letzten zwei Jahrzehnten knüpfen sie freilich an die Altvorderen des Genres an.

Auf ihre eigene Weise. Elektronik setzen sie schon auf ihrem jüngst erschienen zweiten Album „Seeds“ nur sparsam ein, auf der Bühne überhaupt nicht. Im Mittelpunkt des akustischen TripHops steht die schmächtige Sängerin Sarah Malpass, die ihre sanfte Altstimme selbst auf der akustischen Gitarre begleitet. Hinzu kommen der Bassist Sean Fox und Johan Visschers, ein Trommler im wahren Sinne des Wortes, denn mehr als zwei Trommeln, mit denen er dramatische Akzente setzt, umfasst sein Schlagzeug nicht. Mit der verbalen Kommunikation zum Publikum hält die Band sich zurück. Das Album wird hinterher im selbstgebastelten Jutesäckchen verkauft.

Die musikalische Stimmung ist überwiegend verhangen. Das sind ungeachtet des Singer/Songwriter-Kerns und der akustischen Gitarre keine folkigen Lieder fürs Lagerfeuer. Eher schon für einen Abend bei Kerzenlicht. Sarah Malpass’ Texte – die Kompositionen entstehen laut Albumcover gemeinschaftlich – sind ausgesprochen persönlich. Die Sache zwischen Mann und Frau – das Thema ist bekanntlich unerschöpflich, und Malpass ist dahingehend monothematisch. Ihre Leidenschaft ist die Melancholie.

Man braucht das nicht gleich für sensationell zu halten. Talentiert aber ist es allemal. Nicht mehr und nicht weniger.

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