Mitsing-Konzert in der Alten Oper

Frankfurt - Am zweiten Abend des Chorfests war auch die Alte Oper „ganz Chor“. Trotz Konkurrenz im Mozartsaal war der Super-„Elias“ im Großen Saal einfach ein Muss. Von Eva Schumann

Wer zuhören wollte, musste sich sputen einen Platz zu ergattern, denn der Mitsing-Chor füllte fast das gesamte Parkett. Über 700 Sänger waren der Einladung des Deutschen Chorverbandes gefolgt, Mendelssohns Oratorium gemeinsam mit der Frankfurter Singakademie und dem Cäcilien-Chor aufzuführen. Solche Mammutbesetzung hätte dem Komponisten sicher gefallen, hat er doch sein Auftragswerk für das Birmingham Music Festival ausdrücklich „dicken, starken und vollen Chören“ zugedacht. Das brachten Singvereine des 19. Jahrhunderts leicht zustande; doch nun gelang Frankfurt ein Rekord, denn bei der Uraufführung 1846 sangen nur halb so viele Kehlen.

Mit seiner Einstudierung hatte der Dirigent Bertrand de Billy ein wahres Wunder vollbracht, indem er aus der zusammengewürfelten Schar und den renommierten Ensembles ein homogenes Ganzes bildete. Eine Glanzleistung war auch sein Dirigat: Er hatte Singakademie und Cäcilien-Chor samt Opern- und Museumsorchester vor sich auf dem Podium, die Hundertschaften im Rücken. Kein Problem -- de Billy wandte sich an den sensiblen Stellen um, gab Einsätze und Gestaltungshinweise, und der Mitsingchor parierte mit fabelhafter Disziplin. Dynamische und agogische Differenzierung glückten tadellos; umwerfend etwa der „Baal“-Chor mit ungeheuren Steigerungen. Beachtlich bei so riesiger Besetzung war auch die Textverständlichkeit.

Video vom Chorfest 2012 in Frankfurt

Zum Erfolg der Aufführung verhalf außer der Routine der Orchestermitglieder und der erfahrenen Chöre auch das durchweg vortreffliche Solisten-Ensemble. Mit schlankem Bassbariton legte Klaus Mertens den Propheten eher lyrisch an, doch kam bei seiner packenden Gestaltung die kämpferische Seite des Mahners keineswegs zu kurz. Engelsgleich lieblich, aber auch kraftvoll, sang die Sopranistin Cornelia Samuelis, so instrumental, dass ihre Stimme im „Höre Israel“ gleichsam mit dem Holzbläserklang verschmolz. Dagegen setzte Nadine Weissmann einen dramatischen Alt, eindrucksvoll besonders als rachsüchtige Königin. Seinen lichten Oratorientenor lieh Benjamin Bruns anrührend dem Obadja. Engelsstimmen steuerte ein Solisten-Quartett (Esther Dierkes, Brigitta Ambs, Florian Feth, Xiao Feng Cai) der Frankfurter Musikhochschule bei.

Wer wollte, konnte sich im Mozartsaal noch ein Dessert genehmigen. Ein sehr sinniges, denn der Süddeutsche Kammerchor widmete sich unter der Leitung von Gerhard Jenemann vergessenen Chorwerken für Sängerfeste. Mit der Bläserbegleitung durch das Rhein-Main-Classic-Ensemble sang der kleine, aber feine Männerchor ein „Vater unser“ von Spohr, kantatenhaftes Auftragswerk zur Eröffnung des Ersten Deutschen Sängerfests Frankfurt 1838, und Mendelssohns „Festgesang an die Künstler“, der 1846 das erste Deutsch-Flämische Chorfest in Köln eröffnete. Wohlklingend übernahmen Ralf Emge, Christian Dietz, Georg Thauern und Martin Höllenriegel die Soli. Unentwegte konnten ab 23 Uhr noch dem Sinfonischen Jugendchor Simón Bolivar vom venezolanischen „El Sistema“ lauschen. -

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