Moderner Balkan-Twist

Frankfurt - Derweil das Bild der Zigeunermusik vom Balkan vor allem von den Roma-Blaskapellen bestimmt wird, geht darüber beinahe vergessen, dass diese Tradition natürlich viel reicher ist. Von Sebastian Hansen

Die im polnischen Lublin ansässige, überwiegend aus Musikern aus dem Grenzgebiet zwischen Rumänien, Serbien und der Ukraine bestehende Band Caci Vorba besinnt sich auf eine bläserfreie Besetzung. Die Musik ist beschwingt, fern der Turborhythmen der Blaskapellen.

In der Weltmusikreihe des Summer-in-the-City-Festivals im Frankfurter Palmengarten durchmischt das Quintett seine Anverwandlungen traditioneller Tanzlieder mit Spuren mannigfacher kultureller Herkunft – wie es eine alte Praxis der Romamusiker ist. Die polnische Sängerin Maria Natanson spielt neben der Fiedel auch die zur Gruppe der Kemençen gehörige türkische Langhals-Kürbisspießgeige Kabak keman, der Sprecher und gelegentliche Sänger Piotr Majczyna Gitarre und die griechische Bouzouki; neben Akkordeon und Kontrabass stehen in diesem akustischen, teils in traditionellem Kostüm aufspielenden Ensemble die Rahmentrommel und die vorderorientalische Kelchtrommel Darabuka.

„Rumänischer Rock’n’Roll“

Von „Balkan-Twist“ und „rumänischem Rock’n’Roll“ sprechen die Musiker selber. Das sind so griffige wie unsinnige Formeln. Jedenfalls aber handelt es sich nicht im klassischen Sinne um eine Musik des Kolorits. Dafür ist die Spielhaltung viel zu modern. Es ist ein anrührendes poetisches Raffinement, durch das sich Caci Vorbas Interpretationen auszeichnen.

Ursprünglich wird eine solche Musik auf Hochzeiten und anderen Festen gespielt und von einer Generation an die nächste überliefert. Längst aber ist sie nicht mehr zwingend im strengen Sinne traditionell insoweit als sie sich – wie im Falle von Caci Vorba – von den Ursprüngen im „Volk“ abgelöst hat. Und eben auch zur konzertanten Exportmusik geworden ist.

Stiftend dafür ist ein freier Blick auf die wiederentdeckte Tradition im Sinne eines undogmatischen Zugriffs. Da geht es um Forschung an der Überlieferung der Vorväter, verbunden mit einem akademisch-musikwissenschaftlichen Interesse. Ein dergestalt nichtmusealer Zugang tut der Musik gut.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Stephanie Hofschläger

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