Ray Manzarek und Robby Krieger im Offenbacher Capitol

Morrisons Erben

Offenbach - Die Ankündigung ließ auf nichts Gutes schließen: „Ray Manzarek & Robby Krieger Of The Doors Play The Best Of The Doors Music“. Von Ferdinand Rathke

Das Satz-Ungetüm ist allein der Tatsache geschuldet, dass Ur-Schlagzeuger John Densmore und die Erbengemeinschaft von Jim Morrison seit Dekaden den beiden noch aktiven Gründungsmitgliedern, Keyboarder Manzarek und Gitarrist Krieger, am liebsten permanent verbieten möchten, in irgendeiner gearteten Weise das künstlerische Erbe der legendären amerikanischen Formation The Doors fortzusetzen.

Immerhin war das verschworene Duo in den vergangenen Jahren nicht faul, als es unter den Wortschöpfungen „The Doors Of The 21st Century“, „D21C“ oder „Riders On The Storm“ mit Ian Astbury, Brett Scallions und Miljenko Matijevic als Morrison-Ersatz versuchte, der schwierigen rechtlichen Lage ein Schnippchen zu schlagen. Selbst wenn die neuerliche Bezeichnung die mit Abstand wohl unglücklichste ist, an der Wahl Dave Brocks in der penibel ausgefüllten Rolle von Jim Morrison gibt es schon nach fulminantem Auftakt „Roadhouse Blues“ im Offenbacher Capitol keinerlei Zweifel. Perfekter, als der rund zwei Jahrzehnte in Doors-Coverbands geschulte Brock, kam dem unnachahmlichen wie eigentlich unkopierbaren Original keiner der Vorgänger.

Eine wahre Freude für jeden Langzeit-Fan der Kultband, die sich mit Schlagzeuger Ty Dennis und Bassist Phil Chen zum Quintett komplettiert, zuzusehen und zuzuhören, wie Dave Brock sich traumhaft durch originalgetreu straffe Versionen der Klassiker „Break On Through“, „When The Music’s Over“ oder „Love Me Two Times“ singt und dabei auch typische Morrison-Manierismen verinnerlicht hat.

Mag das authentische Nachahmen der Posen, als wolle Oliver Stone sich an eine weiteren Verfilmung der Bandbiografie versuchen, auch manchen Zeitgenossen gallenbitter aufstoßen, das enorm positive Resultat spricht für sich.

Obwohl Frontmann Dave Brock prinzipiell tonangebend ist, darf nur einer den „Master Of Ceremony“ geben: Ray Manzarek lässt zwischen weiteren authentischen Glanzlichtern wie „Alabama Song“, „Moonlight Drive“ und „Not To Touch The Earth“ Anekdoten, Schmankerl und Bonmots vom Stapel, vergisst aber auch nicht dem Hippie-Ethos zu huldigen, wenn er „LSD, Marihuana und freie Liebe“ propagiert.

Reichlich knapp fällt die Zugabe aus: „Cars Hiss By My Window“ und der Nummer-eins-Hit „Light My Fire“. Da mag manch einer im enthusiastisch gestimmten Auditorium im Nachhinein grübeln, wo denn eigentlich die angekündigte komplette Aufführung des finalen Doors-Albums „L.A. Woman“, das 2011 ebenso wie Jim Morrisons Todestag 40. Jubiläum begeht, abgeblieben ist.

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