Musik als Brückenbauer im Büsingpalais

Mozart auch zum Swingen

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Auftakt der neuen Reihe war im Büsingpalais.

Offenbach - Drei Wunder sind bei der Premiere von „SchwesternKlänge“ geschehen. Beim von rührigen Bürgern der Nachbarstädte vollzogenen musikalischen Brückenschlag wurden im Büsingpalais auch Frankfurter gesichtet. Von Klaus Ackermann 

Zudem hat das von Erik Nielsen hervorragend eingestellte Kammerensemble aus Musikern des Frankfurter Opern- und Museumsorchester lustvoll mit dem Jazz geliebäugelt. Der international renommierte Jazzpianist Christof Sänger brachte dabei Mozart und Johann Anton André locker zum Swingen.

Dass diese noch ungewöhnliche Liaison allemal den Segen der Politik hat, unterstrichen Offenbachs OB Horst Schneider und Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz, die für eine Zeit stehen, in der nicht mehr die Differenzen, sondern Gemeinsamkeiten vorrangig seien. Wie gut das schon im 19. Jahrhundert funktionierte, als Offenbach Frankfurter zu Ausflügen ins Grüne animierte, zeigte die Eingangsmusik, der 1. Satz von Louis Spohrs berühmten Nonett F-Dur. Der frühromantische Komponist wirkte zwei Jahre als Opernkapellmeister in Frankfurt und hatte seine Musik bei André in Offenbach verlegt. Vom kompakt aufspielenden Kammer-Ensemble im süffigen Serenaden-Ton mit stark virtuosem Akzent serviert.

Wie immer fachkundig

Solch musikhistorischen Hintergrund bot - wie immer fachkundig - Moderator Ralph Philipp Ziegler, der tief in Offenbacher Musikgeschichte einstieg. Dass der rührige Musikverleger André ein begnadeter Flötist gewesen sein muss, unterstreicht sein 1795 erschienenes Konzert für Flöte und Orchester, das den gestandenen Solisten verlangt: Paul Dahme vom Opern- und Museumsorchester meistert es souverän, mit schönem Ton im liedhaften Melos, perfekt in den quirligen Figurationen und reizvollen Kontrapunkten. Christof Sängers uraufgeführter „Suite für Piano und kleines Orchester“ liegt die Mozart-Sonate C-Dur KV 545 und eine Etüde von André zu Grunde, die er in moderat-moderner Tonsprache aufbereitet hat und bei der das Klavier unaufdringlich jazzige Akzente setzt. Spannender Crossover, der es nicht verdient hat, in den Archiven zu verschwinden.

Mozart pur setzt das von versierten Bläsern verstärkte Ensemble in Szene, für frischen Durchzug in einem Evergreen sorgend, der Sinfonie g-Moll KV 550 (1. Fassung und ebenfalls bei André verlegt). Einmal mehr demonstriert der ehemalige Frankfurter Opernkapellmeister Nielsen, wie inspirierend doch ein Dirigent auch für ein Kammerorchester sein kann. Christof Sängers „Duke-Ellington-Variationen“ rückt dann neben den in süffigen Akkorden untermalenden Streichern und Bläsern ein Jazz-Trio in den Vordergrund. Mit dem improvisationsfreudigen Pianisten Sänger, der in Titeln wie „Satin Doll“ oder dem rhythmisch heißen „Caravan“, viele Füße zum Wippen bringt.

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