Elisabeth Leonskaja in der alten Oper

Mozart mit einem Hauch Moderne

Frankfurt - Die große russische Pianistin Elisabeth Leonskaja stand im Mittelpunkt des ersten Museumskonzerts in der Alten Oper. Und machte aus Mozarts Es-Dur-Klavierkonzert mit seinen spielerischen Wenden ein Stück Bekenntnismusik. Von Klaus Ackermann

Inspirierend begleitet vom Opern- und Museumsorchester, das Michael Sanderling erstmals dirigierte, der zudem Schostakowitschs schillernder Sinfonie Nr. 5 seinen gestalterischen Stempel aufdrückte.

Kein „Auftakt“-Konzert ohne Jörg Widmann, dessen „Konzertouvertüre für Orchester“ einmal mehr nachweist, dass Musik durchaus ironisch sein kann. 2008 in seiner Heimatstadt München als Auftragswerk des Bayerischen Rundfunks uraufgeführt, beherrschte Beethoven damals das Programm, der unterschwellig auch bei Widmanns Ouvertüre präsent ist. Einfach köstlich, wie der Zeitgenosse klassische Stilmerkmale zersägt und wieder zusammensetzt, dabei seine Liebe zu heißer Luft (der Holzbläser) nicht verleugnend.

Alles eng verzahnt mit dem Museumsorchester

Von tiefem Ernst dagegen das Mozart-Klavierkonzert, bei dem es Leonskaja figürlich perlen lässt, freilich immer mit Nachdruck und im eher grüblerischen Gestus. Wundersam ausgesungen das Moll-Lied des Andante, das in „Don Giovanni“-Sphären entführt, unterbrochen vom aufmunternden Bläser-Intermezzo in Dur. Während das finale Allegro von der Leichtigkeit konzertierenden Seins zu künden scheint, wiederum mit eingeschobenem Andantino cantabile der Holzbläser.

Das alles eng verzahnt mit dem Museumsorchester und seinem Impulsgeber Michael Sanderling, der als Cellist auch schon Kammermusik-Partner der begnadeten Pianistin war, deren Mozart-Spiel eine besondere Pointe hat. Stammen doch die Kadenzen des Es-Dur-Konzerts vom modernen Klassiker Benjamin Britten. Eher Fantasie als virtuose Improvisation hieven sie Mozarts musikalische Debatten auf einen abstrakten Level. So erscheint das Herz-Hüpf-Thema des Finalsatzes in immer wieder neuen harmonischen Verbindungen. Bei Leonskajas fulminanter Technik und stilistischem Feingefühl – auch die Zugabe, das Allegretto aus Beethovens Sturmsonate, prägend – bleibt die Erkenntnis, dass Mozart durchaus die moderne Anmutung verträgt.

Fortissimo-Attacke

Seine Dirigier-Qualitäten unterstreicht Sanderling, dessen Suggestivkraft noch im Parkett zu spüren ist, mit einer Sinfonie der selbst erwählten kompositorischen Revision. Bei Stalin in Ungnade gefallen, musste Schostakowitsch in den 1930er Jahren um sein Leben fürchten, ein grausames Schicksal, in der Sinfonie Nr. 5 d-Moll bewältigt, die zwischen seelenvollen Bekenntnissen, folkloristischer Rückbesinnung und sarkastischen Kommentaren pendelt. Sanderling erhöht noch den Leidensdruck im dynamisch zielstrebigen Streicherhymnus, wie er die auch ungemein geschmeidig phrasierenden Blechbläser und Schlagwerker zur Fortissimo-Attacke auffordert. Final ein sinfonischer Siegestaumel im Plakatformat – zu schön, um wahr zu sein.

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