Mozarts Kürze zeigt Würze

Eltville - Mozart hatte es als Salzburger Hoforganist nicht leicht. Sein Chef, der aufgeklärte Fürsterzbischof Colloredo, wünschte die Messe kurz und bündig. Selbst an höchsten Feiertagen sollte sie nicht länger als eine Dreiviertelstunde dauern. Von Eva Schumann

Wie genial sich Mozart in diese Vorgaben schickte, zeigt die C-Dur-Messe KV 317, die sogenannte Krönungsmesse; sechs Sätze packte er in eine Komposition von 25 Minuten.

In der Basilika von Kloster Eberbach stellten der Rias-Kammerchor und die Akademie für Alte Musik Berlin zwei andere Werke hinzu. Mozart-Freund Johann Christian Bachs „Missa da Requiem“ besteht nur aus Introitus, Kyrie und Sequenz. Die bildhaften Strophen über das Jüngste Gericht nutzte er als grandiose Vorlage zu kontrastreicher Vertonung. Eingeleitet von wuchtigen Moll-Klängen der Introduzione und des doppelchörigen „Dies irae, dies illa“, wechseln in dem zwölfsätzigen Stück jeweils Chöre, Soli und Ensembles, wobei den eher archaischen Chören lyrische Soli gegenüber stehen.

Dem ausdrucksvollen Dirigat von Hans-Christoph Rademann folgte der Rias-Kammerchor mit höchster Präzision, Plastizität und Virtuosität. Das Solistenteam gestaltete Arien, Duett, Terzett und Quartett mit kluger Sorgfalt, textausdeutend und gut harmonierend. In älterer Musik und der Kunst der Kadenz geschult erwiesen sich mit hell timbriertem Bass Jens Hamann, lichtem Sopran Lydia Teuscher, volltönendem Alt Ruth Sandhoff und flexiblem Tenor Colin Balzer.

Auch Mozarts C-Dur-Messe KV 317 kamen diese Vorzüge zugute. Unter den Ensembles schoss das Quartett „Et incarnatus est“ den Vogel ab. In großen Legato-Bögen gestaltet war die Sopranarie des Agnus Dei. Sprühend von Temperament, mit differenzierter Dynamik, heftigen Sforzati ließ Rademann das Werk darbieten. Die Akademie für Alte Musik Berlin, nach Salzburger Tradition besetzt mit Trompeten und Pauken sowie vier Posaunen, aber ohne Bratschen, war eine inspiriert musizierende Partnerin. Die kurze C-Dur-Sinfonie KV128 des 17-jährigen Mozart wurde in der spritzigen Interpretation nicht zum Intermezzo.

Rubriklistenbild: © Claudia Hautumm/pixelio.de

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