Krönungskonzert in der Frankfurter Alten Oper

Mozarts Werke fest in britischer Hand

Frankfurt - Für die immer etwas zweifelhafte Personalunion von Solist und Dirigent scheint Mozarts Krönungskonzert bestens geeignet. Spielt doch Pianist Murray Perahia viele Passagen allein vor. Von Klaus Ackermann

Und wenn – wie in der gut besuchten Alten Oper – die Academy Of St. Martin In The Fields assistiert, ist selbst das Restrisiko eher gering. Schließlich tritt das traditionsreiche britische Orchester oft ohne Impuls- und Zeichengeber auf.

Auch zum Auftakt, Mozarts „Sechs Deutsche Tänze“ KV 536, lenkt der Konzertmeister mit einladender Gestik das Geschehen. Zwischen behaglichem Ländler, elegantem Menuett und deftig-rustikalem Dreiviertel-Takt. Eine herrliche Gebrauchsmusik mit einprägsamen Melodien und dem Pfiff des Flautinos, einer hohen Holzflöte. Bei den stilsicheren, rhythmisch lustvoll aufspielenden Briten ist das eine vorweggenommene Zugabe, die am Konzert-Ende folgerichtig ausbleibt.

Dass Mozarts Klavierkonzert D-Dur KV 537, zur Kaiserkrönung von Leopold II. vom Komponisten eigenhändig in Frankfurt gespielt, viel solistischem Freiraum bietet, mag auch daran liegen, dass der Salzburger den Solopart improvisiert hatte und die spätere Niederschrift unvollendet blieb. Erst Mozarts Offenbacher Musikverleger Johann Anton André hat sie ergänzt.

Festlich tönt der erste Satz mit seinen anmutigen Seitenthemen, von Perahia verbindlich im Figürlichen, erhaben in den vielen virtuosen Läufen und ohne dynamische Auffälligkeiten gespielt. Ausdrucksvoller Gesang im aparten Larghetto-Lied und ein munter machendes, der Dreiklangs-Melodik verpflichtetes Rondo mit dem Solisten als Primus inter pares. Ein Krönungskonzert also auf eher wertneutralem Nenner - trotz des vehementen gestalterischen Anschubs des britischen Orchesters.

Weitaus intensiver schließlich die Sinfonie Nr. 39 Es-Dur von 1788 (dem Entstehungsjahr auch der vorangegangenen Werke), deren feierliche Einleitung in dunkle „Don Giovanni“-Sphären zu geleiten scheint, bis das in straffen Tempi zwingend artikulierte Allegro einen spannenden Dialog mit den Holzbläsern eröffnet. Auch im Andante mit seinen aus einem punktierten Motiv entwickelten Arien-Themen zeigt sich Perahia als uneitler, aber sachdienlicher Dirigent.

Federnd elastisch und immer galant kommt das Menuett daher, mit bäuerlich anmutendem, weitgehend den Klarinetten vorbehaltenem Trio. Frisch und fröhlich das Finale, ein Perpetuum, das ständig seinen Charakter verändert und vor allem bei den Streichern neue Energien freisetzt. Wahrlich kein Allerwelts-Mozart – eher von britischem Adel …

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