Ina Müller in Frankfurt

Wundertüte mit Charme und Stimme

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Ina Müller kalauert sich in sämtliche Fan-Herzen.

Frankfurt - Ina Müller legt in Frankfurt ein furioses Solo hin. Ihre Show: ein Mix aus Kabarett und Gesang. Von Peter Müller 

Marsch, Torf und Kuhscheiße - Wechseljahre, Wanderfett oder die Frage, wo denn nur die einfachen Männer geblieben sind. Alpha-Frau Ina Müller kalauert sich in der bestens besetzten Festhalle in alle Fan-Herzen. Nicht nur weil sie fröhlich auf Tuchfühlung und gern mal unter die Gürtellinie geht, sondern auch wunderbare Lieder singt. Wenn sie denn mal singt.

Da wäre die Schellfischposten-Talknudel also endlich mal livehaftig: knackige „48“ geworden und noch immer ein veritabler Hingucker, mit Marlene-Dietrich-Hose, beängstigend hohen Hacken, gebändigter Mähne und derber „Sabbelschnut“, wie das in ihrem geliebten Plattdeutsch wohl heißt. Ina Müller, Bauerntochter aus Köhlen im Landkreis Cuxhaven, scheint zurzeit einfach gar nichts falsch machen zu können. Egal was sie wie anpackt, es gelingt - und wird stürmisch bejubelt.

Tour und Album sind ein voller Erfolg

Ihr neues Album, das wie die aktuelle Tour ihr Alter ganz ungeniert zum Titel gemacht hat, geht weg wie warme Semmeln und räumt einen Echo ab - die insgesamt (natürlich exakt 48) Konzerte sind fast ausverkauft. Dabei ist die schöne Müllerin längst nicht mehr nur in kleinen Hallen zu bewundern. Und ihre Show eine ganz eigenwillige Mixtur aus Kabarett, gehobenem Popschlager und großartigen Balladen wie „Pläne“ oder „Wenn dein Handy nicht klingelt“, die so gar nicht in das übrige Programm passen wollen. Das kann schon mal so wie im Finale ihres Frankfurt-Auftritts aussehen, wo sie mitten im Saal mal eben einen letzten freien Sessel besetzt, um gleich darauf das Publikum an die Bühne zu scheuchen, und mit Reibeisenstimme und Hits wie „Drei Männer her“, „Wenn Du nicht da bist“ oder „Wo sind die einfachen Männer hin“ eine feuchtfröhliche Final-Gaudi anzuzetteln.

Mit Charme macht sie alles wett

Vor allem die etwas betagteren Buben müssen in dieser zweistündigen, mit „Musikkabarett“ nur unzureichend beschriebenen Wundertüte leidensfähig sein. Denn die Ü-40-Herren sind Inas liebstes Kanonenfutter. Den Rest der Themenpalette geben schön selbstironische Anekdoten über verrutschte Proportionen („Mein Körper ist nur noch der Jakobsweg für mein Wanderfett!“), Hitzewallungen in den Wechseljahren („fühle mich wie ein fleischgewordener Heizpilz“) oder die seligen Zeiten zwischen Hallig, Marsch und Torf, als „die Gummistiefel noch aus Holz waren“.

So oder so, Ina Müller kann man(n) gar nichts übelnehmen, weil das, was sie tut, bei allem Brachialhumor mit einem entwaffnenden Charme gesegnet ist. Wobei sich galliger Witz und melancholisch grundiertes Sentiment nie ausschließen. Ina Müller, die bessere Barbara Schöneberger, hat nämlich auch großartige Songs und eine exzellente Stimme zu bieten.

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