Muntere Andacht

Mainz - „These are the days of Miracles and Wonder“, behauptet Paul Simon zum Auftakt kryptisch in „The Boy In The Bubble“ und ein überwiegend mit seinem Helden gealtertes Publikum weiß genau, auf was der Hohepriester des Folk- und Ethno-Pop da unmittelbar anspielt. Von Ferdinand Rathke

Gerade noch einmal einer biblischen Katastrophe sind Künstler und Besucher entgangen. Sintflutartige Schauer überzogen keine Stunde vorher nicht nur die auf einer Anhöhe gelegene Mainzer Zitadelle. Doch blinzeln die letzten Sonnenstrahlen wieder pünktlich zu Konzertbeginn. Anlassgerechtes Zeitmanagement eben. Da fühlt sich Paul Simon geradezu verpflichtet, zur Zugabe „Here Comes The Sun“ von den Beatles anzustimmen und den Komponist George Harrison mit einem Blick gen Himmel zu grüßen. .

Weitere Wunder lässt Paul Simon in zwei Stunden geschehen. Beim satten Rundumschlag durch ein wahrlich facettenreiches Repertoire. Bis auf die leider etwas zu kurz gekommene Ära von Simon & Garfunkel, „Sounds Of Silence“ im ersten Zugabenblock, lässt der salopp in Jeans, T-Shirt und Hemd gekleidete 69 Jahre alte New Yorker keine seiner zahllosen Karrierephasen unangetastet. Doch letztendlich kann der Meister nicht alle Wünsche erfüllen, wenn er in stoischer Ruhe und mit erstklassigem achtköpfigem Begleitensemble Klassiker wie „Fifty Ways To Leave Your Lover“, „Slip Slidin’ Away“ und „Peace Like A River“ in fast schon sakralen Arrangements serviert.

Richtig in Wallung gerät das Auditorium aber immer, wenn Paul Simon Songs des Albums „Graceland“ spielt: „That Was Your Mother“, „Diamonds On The Soles Of Her Shoes“, „Gumboots“ oder „You Can Call Me Al“ beflügeln mit jenem muntern Rhythmus, der Millionen Deutsche jedes Jahr in exotische Gefilde weg von heimischer Schwermut lockt. Dass Paul Simon ja schon von Anfang mit unorthodoxen Genres und Rhythmen arbeitete, beweist er mit Muntermachern wie „Kodachrome“, „Gone At Last“ oder auch „Hearts And Bones“. Ebenfalls nicht zu kurz kommt das Material aus dem aktuellen Werk „So Beautiful Or So What“. Vor allem der Titelsong glänzt mit Simons gewohnter Dynamik und scheinbar unerschöpflichen Kreativität.

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